Körper und Stimme ...

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pen-eneth
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Körper und Stimme ...

Beitrag von pen-eneth » Di Sep 09 2014 7:43

„Körper und Stimme leiht die Schrift dem stummen Gedanken. Durch der Jahrhunderte Strom trägt ihn das redende Blatt.“ Friedrich Schiller - „Der Spaziergang“

Mae govannen,

dieses Zitat begleitet mich schon sehr lange und nun möchte ich es übersetzen.

Körper – rhaw
Stimme – lam
leihen = geben – anna-
Schrift – têw
stumm = nicht sprechend – úbed
Gedanke - nauth
Strom – duin
Jahrhunderte = Zeitalter – anrand
tragen - *col-
sprechen - ped-
Blatt – Da es kein Wort für „Buchseite“ „Papier“ etc. gibt und das Blatt – las sich sicherlich nur auf Laub bezieht, habe ich versucht ein „eigenes“ Wort zu kreieren. Allerdings stoße ich da an meine Grenzen, denn meine Kenntnisse sind bei weitem nicht ausreichend. Gefunden habe ich in den Etym. folgende Wortstämme:

PAR- (Ety. S. 380) compose, put together → Q. Parma/book → N. parf(perf)/book
LAS- (Ety. S. 367) leaf → Q. Lasse → N. Lhass
TEK- (Ety. S. 391) make a mark, write or draw → Q. Tehta/ a mark (in writing), sign

Kann man daraus evtl. teklass, tehtalass im Sinne von Schreib-Blatt machen? Oder parlass im Sinne von Buch-Blatt?

Rhaw a lham i dêw anna an i nauth úbed. Trî dhuin nan enraind i barf bedel den côl.

Körper und Stimme die Schrift gibt dem Gedanken stumm. Durch (den) Strom der Zeitalter das Buch sprechende ihn trägt.

Für Korrekturen und Hilfe bei der Wortfindung und der Syntax bin ich sehr dankbar.

LG pen-eneth

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smuecke
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Beitrag von smuecke » Di Sep 09 2014 12:33

Hallo pen-eneth,

rhaw ist in diesem Satz das Objekt, muss also leniert werden: 'raw
Als Übersetzung für die Schrift würde ich den Klassenplural von têw verwenden, also sinngemäß die Schriftzeichen, alle Schriftzeichen - ich denke mal *i thewath.

Zu einer Übersetzung von Papier schau mal hier.

Gruß,
smuecke

pen-eneth
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Beitrag von pen-eneth » Di Sep 09 2014 19:19

Vielen lieben Dank, Smuecke!

Eine kurze (OT-)Frage zu 'raw: Würde das im Beleriand-Modus dann auch mit gasdil geschrieben?

Zu einer Übersetzung von Papier schau mal hier.
Huch, die Seite kannte ich noch nicht. Die ist ja wundervoll! Da lag ich mit meiner zugegeben etwas naiven Herangehensweise nicht mal so falsch :-D

Das Ergebnis wäre also:

'raw a lham i thewath annar an i nauth úbed. Trî dhuin nan enraind i barlas bedel den côl.

Die Wortstellung im Satz ist so korrekt?

Dank und Grüße
pen-eneth

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smuecke
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Beitrag von smuecke » Di Sep 09 2014 23:35

Die Wortstellung ist so im Sindarin unüblich, könnte mehrdeutig sein. Vielleicht wäre hier SOV besser? Bin mir aber nicht sicher.
I thewath annar 'raw a lham an i nauth úbed.

Bei duin nan enraind könntest du nan auch durch in ersetzen, also quasi die Genitivpräposition weglassen. Nur als Alternativvorschlag. Ansonsten fühlt sich alles eigentlich ganz richtig an so :D

Das Apostroph bei 'r wird in Tengwar nicht dargestellt, denke ich. Nicht einmal Gasdil für leniertes g ist tatsächlich attestiert (..oder?).

Gruß,
smuecke

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Beitrag von pen-eneth » Mi Sep 10 2014 0:57

Nicht einmal Gasdil für leniertes g ist tatsächlich attestiert (..oder?)
Auf Amanye Tenceli (http://at.mansbjorkman.net/teng_names.htm findet sich unter den Namen der Tengwar folgener Hinweis:

Unnumbered tengwar
The following tengwar are not included in the The Tengwar Table. halla tall. Originally used for breath h in the Classical mode. In the Mode of Beleriand it represented a hiatus caused by a lenited g, and was in this function called gasdil stopgap [ACE, Appendix III].

Nun kann ich natürlich nicht beurteilen, ob dies schon als "attestiert" gilt. Aber irgendwie gefällt es mir ;-) Und ich schreib es eigentlich immer mit, natürlich nur im Beleriand-Modus.

Wortstellung:
Ich hab wirklich lange überlegt. Bin ja auch noch nicht so firm auf dem Gebiet. Allerdings ist ja auch der deutsche Satz in poetischer Form gefasst und nicht in "Normalsprache". Wenn er also nicht völlig allen Regeln widerspricht würde ich ihn gern so lassen. Aber die Alternative hab ich mir natürlich vermerkt, wird mir bei zukünftigen Übersetzungen sicher hilfreich sein.

Vielen Dank Dir nochmals
Grüße
pen-eneth

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Roman
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Beitrag von Roman » Mo Sep 15 2014 13:50

Das Gasdil ist attestiert, es sieht aus wie halla und steht für wegleniertes g, das hat aber nichts mit rh > r zu tun. Der Apostroph in der lateinischen Transkription 'r kann auch weggelassen werden.

Die Wortstellung mit *'raw a lham voran finde ich schon okay: Zum einen ist das schon im deutschen Satz ungewöhnlich (poetisch); zum anderen haben wir OV-Wortstellung in Sindarin Daur a Berhael [...] eglerio! "preist [...] Frodo und Sam!" (womöglich in der ursprünglichen Konzeption mit Lenition der Namen als direktes Objekt).

Für "Schrift" könnte man auch certh : certhas hinzuziehen, was *tewas ergeben würde.

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