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Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Hauptseite > Sindarin-Grammatik > Vokalisierung von k, g, p, b
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Roman
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BeitragVerfasst am: So Sep 11 2011 19:54    Titel: Vokalisierung von k, g, p, b Antworten mit Zitat

Nachdem ich in den Hiswelóke-Wortlisten darauf gestoßen bin, dass N. sûth 'draught' zu *suith regularisiert worden ist, aber nicht lhûth oder sautha-, ist mir aufgefallen, dass ich gar keine Übersicht über die verschiedenen Konzeptionen der Vokalisierung habe, insbesondere in den neusten Quellen. Das soll also dazu dienen, so eine Übersicht aufzustellen.

0. Walisisch

Laut Morris-Jones werden PIE -pt-, -kt- im Urkeltischen zu -kt-. Eine zweite Welle von -kt- kommt später durch lateinische Lehnwörter. Sie alle werden über *χt > *χþ zu i̯þ:

L. perfectus > W. perffaith
*sek-touk- > W. seithig 'freuitless'

PIE -ks- wird zu ch , Lateinisch -ks- dagegen zu i̯s:

*su̯eks > W. chwech 'sechs'
L. Saxō > W. Saes

(§93(ii), §96(6), §108)

1. Goldogrin

In Goldogrin werden k, g, χ, ʒ vor s, t, þ, ð zu vokalisiert, dagegen p, b/ƀ, f, w zu (es ist hier unklar, ob sich hier χ, ʒ, f erst entwickelt haben, oder schon im Urelbischen vorhanden waren):

teʒt- > teht- > taith 'a letter, mark, sign' (68)
leχ-sa > lais 'green-sward, glade' (53)
*sap-þ- > *safþ > sauth 'a hole, tunnel' (67)
*kaba- > kava- > caug 'humped, bulging, bent' (25)

Diese Lautwechsel finden aber normalerweise nur in einsilbigen Wörtern statt, in mehrsilbigen sind -cth- und -pth- erlaubt (z.B. saptha-), sehr oft ist aber Analogie mit im Spiel.

2. Early Noldorin

Frühes Noldorin ist stark vom Walisischen beeinflusst, zu dem Grad, dass die Lautwechsel praktisch aus dem Morris-Jones abgeschrieben sind. Konsequenterweise vokalisieren nun k, p gleichermaßen zu :

mapta- > maith 'ravishment', maitha- 'to ravish' (149R)
sikta > *seχþ > haith 'moist' (147L)

Auf der anderen Seite scheint ks, kt > ch und ps > f eine parallele Entwicklung zu sein:

loktu > luith, lhuth 'magic, spell' (149R)
*tupse > tuf 'lump, knob' (154R), Q. tupse

3. Noldorin (Etymologies)

In den Etymologies finden wir nun etwas ganz anderes, nämlich dass die Änderung vom vorherigen Vokal abhängt. Dabei werden anscheinend *okt, *ukt > *opt, *upt, anschließend p > u̯, dagegen aber *apt, *ept, *ipt > *akt, *ekt, *ikt und k > i̯:

gerundeter Vokal + P
TUP-: N. taus < tupsē

gerundeter Vokal + K (G)
SUK-: N. sûth < *supt- < *sukt-
LUK-: N. lhûth < *lupt < *lukt-
OKTĀ-: N. auth < *opt- < *okt-
DO3-, DÔ-: EN daw < ON dogme, dougme, doume

ungerundeter Vokal + P
LAP-: N. lhaes < *laks- < lapsē
AP-: N. aes < aks- < *apsē

ungerundeter Vokal + K
YAK-: N. iaeth < yakta-
LEK-: N. lhein, lhain < *lekn-

Es gibt aber auch unregelmäßige Fälle:

YUK-: N. iuith, iuitha- statt erwartetem *iûth, *iautha-
LUK-: N. lhûtha- statt erwartetem *lautha- - kann aber als eine analoge Bildung von lhûth erklärt werden
KHAG-: N. haudh statt erwartetem *haedh

4. Outline of Phonetic Development / Outline of Phonology PE19:45,91

Hier haben wir direkt angegeben:
bd > u̯d > u̯ð
gd > ʒd > i̯ð


D.h. die Konsonanten vokalisieren wieder in Goldogrin. Damit haben wir khagdā > haedh wie erwartet, sodass haudh nun von khabdā abstammt.

Der Unterschied ist jedoch, dass die Vokalisierung sehr früh stattfindet, sodass die entstandenen Diphthonge sich wie die CE-Diphthonge entwickeln:
ei > ī, ai > ae, oi > ui
ou > ū, au > aw, eu, iu > y
(VT48:7)

Damit haben wir nun:

negdē 'exudation' > *neid > S. nîdh 'juice' statt erwartetem *neidh, *naidh

Vgl. auch neg- In GL:59-60, mit nith < nēgitte.
Nach u und i findet man folgendes:

NUK-: nuktā > nuitha-
GURUK-: gruitha-
RIK-: raitha, rithant, rithas, rithessin (PE17:167)

Diese beiden Entwicklungen passen zusammen, wenn:
*rikta- > *reχþa > *reitha > raitha und
*nukta- > *noχþa > *noitha > nuitha

Dann finden wir auch noch:

oew < okma (PE17:170) statt *ui(w), das passt aber wiederum zu SLOY- > lhoew, lhoer (PE17:185), also nun oi > oe
leutha- < lepta- (VT/47:10,29) statt *lytha-

Nebenbei hat man ks > ch in:

AKAS-: S. ach, achad (PE17:92)
_______________________________________________

Wollte man also Noldorin drastisch regularisieren, wäre einiges zu ändern. Bzgl. k/g scheint zumindest ein relativ eindeutiges Muster vorzuliegen, bis auf ok/og. Das lässt N. auth in der Luft hängen (-> *oeth oder *uith?).
Bzgl. p ist ein Beispiel zu wenig, damit hängen N. taus, lhaes, aes irgendwie in der Luft. Eine radikale Regularisierung gemäß p > u̯ würde zu *tûs, *laus, *aus führen, unabhängig davon, ob die Vokalisierung früh oder spät stattfindet, da sich au, ū nicht ändern. Andererseits wären gemäß S. aks > ach vielleicht eher *tuph, *laph, *aph zu erwägen. Ersteres wäre sogar identisch zu frühem Noldorin *tupse > tuf. EDIT: Und *oeth wäre fast identisch zu Early N. oith 'feud' (PE13:151).

N. sûth, lhûth, lhûtha- könnten als unregelmäßige Formen durchgehen, bei denen χ zu wird, bzw. verloren geht (vgl. luith, lhuth in frühem Noldorin). Will man sie aber ändern, so ist die Änderung sûth -> *suith ohne sautha- > *suitha-, lhûth > *luith, lhûtha -> *luitha irgendwie willkürlich und inkonsequent.
Tatsächlich ist sautha- Teil eines größeren Problems, denn nachdem nunmehr au zu ū anstatt ou wird, sind auch NOWO-: naw und einige andere Noldorin-Wörter unter Frage. Allerdins ist ou > ū nur an einer einzigen Stelle angegeben und ich würde nichts ändern, was nicht eine breite Beweislage hinter sich hat.

Man darf bei all dem auch nicht vergessen, dass Tolkien oft genug die resultierenden Wörter beibehielt und nur ihre Etymologie änderte, das ist offenbar der Fall bei haudh (KHAB- statt KHAG-) sowie tew (TEÑ- statt TEK- PE17:44-45) und vielleicht auch nîth/nîdh (siehe oben), daher sollte jede Änderung wohlüberlegt sein.
In jedem Fall ist in zukünftigen Publikationen Ausschau nach Beispielen für Vokalisierung zu halten (z.B. würde ich gerne eine späte Sindarin-Entsprechung zu Q. Helkaraxe sehen).
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