Glorfindel wrote:
Der Vers lautet: "Nebel schwimmt mit Silberschauer"; und nicht "Nebel schwimmt um den Mond".
Hithu 'Nebel' gohiria 'mit-fließt(schwimmt)' *celebael 'Silber"schauer"'
Aber man darf den Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren:
Nebel schwimmt [-] mit Silberschauer [-] um dein reizendes Gesicht.
Der Silberschauer ist ja nur eine nähere Angabe zum Nebel, eben dass er silbern glänzt.
Ich habe versucht zu übersetzen:
Nebel fließt silberflimmernd über dein schönes Angesicht.
Zwar ist Dein Vorschlag vom Sinn her richtig, aber
mitfließen ist m. E. doch etwas umständlich als
schwimmen zu erkennen. Obwohl ich leider zugeben muss, dass meine Formulierung etwas holprig klingt.
Glorfindel wrote:
Es geht aber nicht um eine naturwissenschaftliche Sichtweise! Der Nebel schwimmt bildlich um den Mond herum und nicht über ihn drüber und auch nicht über der Erde.
Naturwissenschaftlich gesehen, müsste der Nebel außerdem unter dem Mond fließen, weil der Nebel noch in unserer Atmosphäre ist. (Wenn man davon ausgeht, dass die Erde 'unten' ist)
Ich gebe zu, dass der Ausflug in die Naturwissenschaft etwas zu weit ging - in diesem Zusammenhang. Schließlich geht es um verklärende Romantik. Aber deshalb gebe ich nicht meine Meinung auf: Goethe schreibt über/an die Mondfrau, so wie man sie sich zu Zeiten von Griechen und Römern vorstellte. Also warum sollte der Nebel nicht über ihr Gesicht fließen, wie sie mit der Hand über ihr Gesicht streifen würde? Es ist immernoch oberhalb der Oberfläche ihres Gesichtes, ob sie nun nach oben, nach unten oder zur Seite schaut. Und im Englischen würde ich auch sagen "a shadow comes over his face".
Ailinel wrote:Ich persönlich würde eigentlich eher über die attestierten Bedeutungen von or bzw o nachdenken wollen,
Ich dachte, das sei eindeutig?

Im Hiswelókë steht "oberhalb von, über" bzw. "above, over" und nichts zu sehen von Einschränkungen (rekonstruiert o. ä.).
~ Ithilwen ~