Texte von "Faun"


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Beitrag Sa Mär 31 2007 15:30

Texte von "Faun"

Ich kenne Faun noch nicht lange, und habe auch noch keine CD (steht auch auf meiner Wunschliste :-) )

Jetzt dachte ich, ich könnte ja mal ein bisschen praktischer Lernen als nur mit dem Kurs, in dem ich einen Liedtext in Sindarin übersetze. Was liegt näher, als "Von den Elben" von Faun?

Aus Copyrightgründen verlinke ich hier nur:
http://lyrics.songtext.name/Faun/Von-De ... 52968.html

Jetzt muss ich das aber erstmal ins Deutsche übersetzen :? Blöde Frage: Was ist das für eine Sprache, althochdeutsch, nordhochdeutsch? Und wo finde ich Infos dazu? Über Google lässt sich ohne genaues Stichwort nicht viel finden.

Danke!

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Beitrag Sa Mär 31 2007 15:46

Na ja, es soll wohl mittelhochdeutsch sein, obwohl mir einiges etwas spanisch vorkommt. 8)

Mhd. Wörterbucher gibt es mehrere online.
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Beitrag Sa Mär 31 2007 15:58

Hui, Faun sind ja was ganz was feines (habe sämtliche Alben *g*)!

"Von den Elben" ist in der Tat mittelhochdeutsch ("Nordhochdeutsch" gibt's nicht, im Norden ist es "Niederdeutsch" ;) ), lautet aber im Original wohl "von der elbe", also in der Einzahl. Geschrieben wurde es von Heinrich von Morungen (um 1200, wenn ich mich nicht täusche) und online sind eigentlich auch mehrere Fassungen, Übersetzungen etc. zu finden. Die erste Strophe habe ich auch selbst übersetzt irgendwo rumliegen (müsste ich aber erstmal wieder finden), weil die online gefundenen alle nicht so richtig toll waren.
Übrigens gehen auch die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch auf das Lied ein (unter "elb" und vielleicht "alb", denke ich).

Und so 100%ig naheliegend für eine spätere Sindarin-Übersetzung finde ich es nicht, denn das Elbenbild dort ist schon nicht mehr das grundlegend erstmal strahlend-positive (wie die Tolkien'schen oder die nordischen Lichtalben), sondern ist bereits stark im Wandel (wenn auch noch fern vom "Albtraum"). Es wird eine schöne Frau mit einer Elbe verglichen, die einen ebenso in ihren Bann zieht und es ebenso tödlich enden kann... :?

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Beitrag Sa Mär 31 2007 16:26

Über den Titel bin ich mir nicht sicher, aber diese Version des Textes nach Lachmann/Haupt dürfte einigermaßen authentisch sein, hier.
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Beitrag So Apr 01 2007 21:23

Ailinel hat geschrieben:Na ja, es soll wohl mittelhochdeutsch sein, obwohl mir einiges etwas spanisch vorkommt. 8)

Mhd. Wörterbucher gibt es mehrere online.


Danke, Ailinel. Wusste ich doch, hier weiss es Jemand :-)

Ja, mit diesem Stichwort kann ich mich jetzt auf die Suche machen, denn ich möchte die Texte auch für mich übersetzen, d.h. verstehen können.
Zuletzt geändert von DieWaldlaeuferin am So Apr 01 2007 21:37, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag So Apr 01 2007 21:35

Lothenon hat geschrieben:Hui, Faun sind ja wo ganz wo feines (habe sämtliche Alben *g*)!


Ich darf mir eine CD wünschen - hast Du mir einen Tipp, welche ich als erstes auswählen soll? Bei amazon reingehört gefallen mir alle... (evtl. auch per PN).

oder so 100%ig naheliegend für eine spätere Sindarin-Übersetzung finde mich es nicht, denn dem Elbenbild dort hat schon nicht mehr dem grundlegend erstmal strahlend-positive (wie dem Tolkien'schen oder dem nordischen Lichtalben), sondern hat bereits stark im Wandel (wenn auch noch fern vom "Albtraum").


Ich könnte mich jetzt ja herausreden, dass ich den Text gar nicht verstanden habe... aber ich hätte es mir ja eigentlich denken können. Nagut, ich finde etwas anderes zum übersetzen (soll ja auch noch relativ leicht sein).

Es wird eine schöne Frau mit einer Elbe verglichen, dem einen ebenso in ihren Bann zieht oder es ebenso tödlich enden kann... :?


Sachen gibt's...! Na sowas... ;-)
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Beitrag Mo Apr 02 2007 12:48

Das muss doch trotzdem kein Hindernis sein, es zu übersetzen...
Aber es gibt generell viele schöne hochmittelalterliche Texte, die sich im Sindarin sehr gut machen würden. Ich spiele z.B. schon lange mit dem Gedanken das eine oder andere melancholische Minnelied zu übertragen (was leider am Vokabular bislang scheiterte), es gibt da viel, wo die Natur zum Veranschaulichen von Gefühlswelten herhalten muss, finde ich sehr passend für Elben insbesondere des dritten Zeitalters, z.B. "Loybere risen" von Wizlaw von Rügen oder "Trurech is dar herte mîn" von einem Niederländer, dessen Namen ich vergessen habe.
Das erste wurde auch von Faun umgesetzt, wäre also vielleicht eine Idee (aber auch da war ich irgendwo an eine Stelle gekommen, wo ich spontan mit dem Vokabular nicht weiter kam, weiß nicht mehr genau was und wo).

Ich persönlich finde im übrigen das zweite Album ("Licht") am schönsten. Das erste ("Zaubersprüche") ist auch toll, aber es fehlt irgendwie noch der unverwechselbare experimentelle und elektronisch unterstützte Stil. Der ist zwar auf dem dritten Album ("Renaissance") durchaus da, aber "Licht" hat einfach mehr Songs, die mich vom Hocker hauen. Das neue "Totem" ist sehr schön und melancholisch, aber es fehlt was tanzbares, sind alles Baladen...
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Beitrag Mo Apr 02 2007 22:04

Lothenon hat geschrieben:
Aber es gibt generell viele schöne hochmittelalterliche Texte, die sich im Sindarin sehr gut machen würden. Ich spiele z.B. schon lange mit dem Gedanken das eine oder andere melancholische Minnelied zu übertragen (was leider am Vokabular bislang scheiterte), es gibt da viel, wo die Natur zum Veranschaulichen von Gefühlswelten herhalten muss, finde ich sehr passend für Elben insbesondere des dritten Zeitalters, z.B. "Loybere risen" von Wizlaw von Rügen oder "Trurech is dar herte mîn" von einem Niederländer, dessen Namen ich vergessen habe.


Klingt gut. Ich werde mich weiter umsehen, aber das Übersetzen wohl für den Moment ein bisschen aufschieben müssen (Zeitmangel).


Das erste wurde auch von Faun umgesetzt, wäre also vielleicht eine Idee (aber auch da war ich irgendwo an eine Stelle gekommen, wo ich spontan mit dem Vokabular nicht weiter kam, weiß nicht mehr genau was und wo).


Nunja, wenn Du es nicht schaffst, dann ich doch bestimmt auch nicht ;-)

Ich persönlich finde im übrigen das zweite Album ("Licht") am schönsten. Das erste ("Zaubersprüche") ist auch toll, aber es fehlt irgendwie noch der unverwechselbare experimentelle und elektronisch unterstützte Stil. Der ist zwar auf dem dritten Album ("Renaissance") durchaus da, aber "Licht" hat einfach mehr Songs, die mich vom Hocker hauen. Das neue "Totem" ist sehr schön und melancholisch, aber es fehlt was tanzbares, sind alles Baladen...


Danke für Deine Beurteilung! Ich dachte eigentlich auch, mit "Licht" anzufangen ist bestimmt nicht verkehrt (wurde mir auch schon von anderer Seite empfohlen).
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Beitrag Mi Apr 04 2007 19:19

Nunja, wenn Du es nicht schaffst, dann ich doch bestimmt auch nicht

Achwas, vielleicht bin ich einfach auf eine naheliegende Umschreibung nicht gekommen, die dir direkt einfallen würde, kann ja sein.

Wir können's ja mal zusammen probieren mit "Loybere risen" und uns hier erstmal über die Bedeutung klar werden, wie klingt das? :)
Der Text steht im Original wohl folgendermaßen (ist wohl weitesgehend Original-Orthographie, also keine größeren Eingriffe (wie "son bedörft" statt "so be drocht", grrrr) und Vokallänge etc., nur eben mit ausgeschriebenen Abbreviaturen wie "v auf o" for "ou" etc.):

Loybere risen.
von dem boymē hin tzů tal.
des stan blot ir este.
Blomen sich wisen.
daz se sint vůr torben al.
scone wast ir gleste
Sus twinghet deriphe.
manigher hande vůrtzel sal.
des bin ich ghar sere be trůbet.
Nu ich tzů griphe.
sint der winder ist so kal.
des wirt nuwe vroyde ghe ůbet.


Würde ich etwa interpretieren als:
Laub ist gefallen, von den Bäumen ins Tal hinab. Bloß stehen ihre Äste. Den Blumen sieht man an (sie "weisen" sich aus), dass sie alle eingegangen sind. Schön war ihr (?)Glanz.
So bezwingt der Reif so manche Wurzel (hande? sal?), was mich sehr betrübt (mit Genitiv, schön :) ). Nun werde ich es in die Hand nehmen, da der Winter so kalt ist; Drum wird nun neue Freude Einzug halten (durch sein sein vorliegendes, so garnicht winterlich-depressives Lied).

Helphet mir scallen.
hundert tusent vroyden mer.
wen des meyien blůte kan bringhen.
Rosen de vallen.
an mir vrowen roter ler.
da von wil ich singhen.
Tuwinct mich de kulde.
al ir vůrtzel smaghes ger.
de sint an ir libe ghe strowet.
Vvorbe ich ir hulde.
so be drocht ich vroyden mer.
sus demīningliche mich vrowet.


Das ist schon wchwieriger, finde ich...
Helfet mir von huntertausend Freuden singen, die die Maienblüten bringen können. Rosen fallen .... (???), wovon ich singen will. (Be)Zwingt mich die Kälte ... Wurzel ... (???), die bei ihrem Leib gestreut sind(?). Wenn ich um ihre Gunst anhielte, dann (? von "bedrachten"?) ich mehr Freuden(?), wie die liebliche mich erfreut.

Ohjeohje, da ist wohl noch manches zu machen :) Aber die erste Strophe wäre doch schonmal etwas (es sei denn, ich habe auch da irgendwo Verständnisprobleme) :)
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Beitrag So Apr 08 2007 14:50

Lothenon hat geschrieben:
Nunja, wenn Du es nicht schaffst, dann ich doch bestimmt auch nicht

Achwas, vielleicht bin ich einfach auf eine naheliegende Umschreibung nicht gekommen, die dir direkt einfallen würde, kann ja sein.


Erstmal schön, dass Du das – und Du bist was das betrifft schon irgendwie ein Held für mich – auch nicht gleich so aus dem Ärmel schüttelst! Macht mir Mut.

Wir können's ja mal zusammen probieren mit "Loybere risen" und uns hier erstmal über die Bedeutung klar werden, wie klingt das? :)


Uff! :-) Aber gut, klar, und gut auch, dass Du gleich ausgewählt und den Anfang gemacht hast. Dennoch nochmals die Bitte um Verständnis, dass es sich etwas hinziehen wird, denn ich habe bald auch noch 10 Tage Urlaub.

Der Text steht im Original wohl folgendermaßen (ist wohl weitesgehend Original-Orthographie, also keine größeren Eingriffe (wie "son bedörft" statt "so be drocht", grrrr) und Vokallänge etc., nur eben mit ausgeschriebenen Abbreviaturen wie "v auf o" for "ou" etc.):


Siehe weiter unten.
Und Deine Fassung lasse ich jetzt einfach mal so stehen.

Denn erstmal eine bisschen Google: Hier
http://germazope.uni-trier.de/Projects/ ... erbuecher/
finden sich so allerlei Wörterbücher zum übersetzen.

Ich habe mir eines
http://germazope.uni-trier.de/Projects/ ... id=BV02453
ausgewählt, finde da allerdings weder das Wort „Loybere“ (welches ich als erstes intuitiv mit einer Art „Beere“ übersetzt hätte) noch „scallen“ – eigentlich finde ich dort gar nichts von den Wörtern! Toll. Auch nicht bei noch zwei anderen. Also falls Jemand einen Online-Tipp für mich hat, bitte gerne.

Weitergegoogelt, und hier beim „Minnesänger Wizlaw“ gelandet:
http://www.wizlaw.de/html/mhd__text.html
Hier steht, dass der Text den Du gepostet hast, die „Jenaer Liederhandschrift in der überlieferten Originalform“ ist. Dazu findet sich eine Übersetzung in die reine Mittelhochdeutschform :-) Aha. Hier steht dann statt Loybere immerhin schon „Löubere“, was dem Wort Laub viel näher kommt *find*.

Zwar finde ich auch Löubere nicht im Wortlexikon, aber es macht dennoch Hoffnung :-) Trotzdem sitze ich grad lachend vor dem Bildschirm – in der Absicht, mal übungshalber mit Sindarin-Übersetzungen anzufangen, lande ich beim Übersetzen von Originalhandschrift ins Mittelhochdeutsch, um dieses dann auf Deutsch und anschliessend auf Sindarin zu übersetzen… Warum auch einfach, wenn es kompliziert geht? *lach* Immerhin lerne ich eine ganze Menge dabei, und das ist ja die Hauptsache („Drego morn!“)

Und nein, bitte ziehen wir das jetzt durch! Ich mag den Text nämlich (das, was ich davon verstehe), und schliesslich kam der Vorschlag von „Faun“ auch von mir.

Etwas kann ich vielleicht nämlich vorerst (allerdings aus anderer Quelle) beisteuern: Das Wort „sal“ ist auch ein Wort für „Heil“ (schick-sal), und in diesem Zusammenhang heisst das vielleicht Heilwurzel. Sammelt man Kräuter und so im Spätfrühling und Sommer, werden die Heilwurzeln erst später (August, September) gehortet, und getrocknet. Würde inhaltlich zum Herbst passen, als Vorbereitung für den Winter. Und nein, ich finde den Text auch nicht depressiv, nur etwas traurig und melancholisch, aber das gehört zu dieser Jahreszeit dazu.

Also hier meine derzeitige Fassung, frei und mehrheitlich intuitiv übersetzt:

Löubere rîsen
Laub (erhebt sich) wirbelt durch die Luft

von den böumen hin ze tal;
von den Bäumen ins Tal hinab

des stân blôz ir este.
Bloss stehen ihre Äste

Bluomen sich wîsen,
und die Blumen wissen (?),

daz sie sint verdorben al
dass sie sterben müssen.
(wenn sie schon gestorben (verdorben) sind, wissen sie ja nichts mehr, oder? ;-) )

schône was ir gleste.
Schön war ihr Glanz!

Sus twinget der rîfe
So bringt (zwingt) der (Rau)reif hervor

manigerhande wurzel sal;
das Heil der Wurzeln (Heilwurzeln) in grosser Zahl

des bin ich gar sêre betruebet:
darum bin ich so betrübt:

nu ich zuo grîfe,
Nur für mich (zu greifen?)

sint der winder ist sô kal,
ist der Winter so kalt

des wirt niuwe vröude geuebet.
denn es wird neue Freude geben.

***

Helfet mir schallen
Helft mir beim Singen

hunderttûsent vröuden mêr,
von hunderttausend Freuden

wan des meijen bluete kan bringen,
die der Maien Blüte bringen kann (wird).

Rôsen die vallen
Rosen, die (vor die Füsse?) fallen

an mîner vrouwen rôter lêr,
gemäss der Lehre der roten Frau?
(gemeint eine Art Maienkönigin/Frühlingsgöttin? Göttin der Liebe, rot = Farbe der Liebe, auch die Rosen)
Also vielleicht: Rosen, die der roten Frau vor die Füsse fallen?

dâvon wil ich singen.
Davon will ich singen

Twingt mich diu kulde,
Treibt mich …?

aller wurzel smakkes gêr


die sint an ir lîbe geströuwet;
die ihre Liebe verströmen

würbe ich ir hulde,
Würde ich ihr huldigen

son’ bedörft’ ich vröuden mêr:
so bedürfte ich keiner Freuden mehr,

sus diu minniklîche mich vröuwet.
wie die … mich (er)freuen.

So – Lachen erlaubt :-)
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Beitrag So Apr 08 2007 22:18

Twingt mich diu kulde,
Treibt mich …?

aller wurzel smakkes gêr


Vielleicht:

Zwingt mich die Kälte?
aller Wurzeln Geruches Speer/Wurspieß


sus diu minniklîche mich vröuwet.
wie die … mich (er)freuen.


wie die Liebliche mich freut/erfreut


Die "rote Frau" hat meines Erachtens nach kaum was mit Liebe zu tun, das wäre doch irgendwo sonst in solchem Zusammenhang vorgekommen, oder? Sie ist zumindest nicht rot, denn dann müsste das "rôter" "rot" oder "rote" heißen, das bezieht sich auf lêr.
Wenn ich wieder in Graz an meinem Buch-Wörterbuch und an meiner Grammatik bin, kann ich noch mal genauer nachsehen. Das angebene Wörterbuch ist zwar gut (das wurde uns Studenten empfohlen), aber erstezt das gedruckte meines Wissens nach nicht ganz.
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Beitrag Di Apr 10 2007 0:09

Erstmal schön, dass Du das – und Du bist was das betrifft schon irgendwie ein Held für mich – auch nicht gleich so aus dem Ärmel schüttelst! Macht mir Mut.

Schön, dass meine Unfähigkeit Leuten Mut macht ;) Aber danke für deine Einschätzung :)

Dennoch nochmals die Bitte um Verständnis, dass es sich etwas hinziehen wird, denn ich habe bald auch noch 10 Tage Urlaub.

Klar doch, ich hab's nicht eilig (und in der nächsten Zeit auch noch einiges zu tun).

Danke zunächst für die Links, aber was Wörterbücher etc. angeht bin ich eigentlich ganz gut ausgerüstet.

finde da allerdings weder das Wort „Loybere“ (welches ich als erstes intuitiv mit einer Art „Beere“ übersetzt hätte) noch „scallen“

Das ist eben die Sache mit der standartisierten Orthographie. Wenn du unter loubere, löubere sowie schallen suchst, dürftest du eher fündig werden.

Weitergegoogelt, und hier beim „Minnesänger Wizlaw“ gelandet: Hier steht, dass der Text den Du gepostet hast, die „Jenaer Liederhandschrift in der überlieferten Originalform“ ist. Dazu findet sich eine Übersetzung in die reine Mittelhochdeutschform

Von dieser Seite habe ich ihn direkt übernommen, da ich sie für sehr gewissenhaft halte. Außerdem habe ich eine Photokopie der ersten Strophe gesehen und weiß daher definitiv, dass die Darstellung auf Wizlaw.de originalgetreu ist. Die sog. "reine" MHD-Form (also die standartisierte, die mit Wizlaws (Aus-)Sprache nicht SO viel zu tun hat) ist allerdings wohl besser geeignet, um sich durch die Wörterbücher zu kämpfen, zugegeben...


Ok, zur Übersetzung:

Löubere rîsen
Laub (erhebt sich) wirbelt durch die Luft

Mein Wörterbuch ("Kleines Mittelhochdeutsches Wörterbuch" von Beathe Hennig) gibt mir rîsen primär als "(herab-)fallen, zerfallen, einstürzen"

Bluomen sich wîsen, daz sie sint verdorben al
und die Blumen wissen (?), dass sie sterben müssen.
(wenn sie schon gestorben (verdorben) sind, wissen sie ja nichts mehr, oder? Wink )

Langes î im MHD entspricht in der Regel modernem ei, d.h. wir haben es wohl mit weisen zu tun. Die Blumen "weisen" sich also aus, dass sie alle "verdorben" sind, sprich: sie zeigen (man sieht ihnen an), dass sie verblüht oder eingegangen sind.

manigerhande wurzel sal;
das Heil der Wurzeln (Heilwurzeln) in grosser Zahl

Wie kommst du auf den Aspekt des Heilens? Ich erkenne nur manigher hande ("mancher Hand", Genitiv?) und natürlich die Wurzel. Sal kann laut meinem Wörterbuch so verschiedene Dinge bedeuten wie "schmutzig, Schmutz, Saal, Rechtskraft", und nichts will in meinen Augen so richtig passen...

nu ich zuo grîfe,
Nur für mich (zu greifen?)

Hier war ich davon ausgegangen, dass die Vorsilbe sich einfach noch nicht verselbständigt hat, sprich ich tzuo griphe = "ich greife zu"...

an mîner vrouwen rôter lêr,
gemäss der Lehre der roten Frau?
(gemeint eine Art Maienkönigin/Frühlingsgöttin? Göttin der Liebe, rot = Farbe der Liebe, auch die Rosen)
Also vielleicht: Rosen, die der roten Frau vor die Füsse fallen?

Kann ich mir irgendwie nicht vorstellen... mîne vrouwe ist normalerweise eigentlich "meine Herrin", also die edle Dame, der das Lied in platonischer (und absolut geheuchelter) Liebe gewidmet ist. einfach eine "Frau" ist normalerweise ein wîp...
Was mich eher irritiert ist, dass im Original nicht mîner sondern mir steht. Das mag natürlich eine verkürzte Fassung sein, muss es aber nicht unbedingt, denke ich...

Twingt mich diu kulde,
Treibt mich …?

Twingt dürfte gleich "zwingt" sein. Man darf nicht vergessen, dass der Mann ein Muttersprachler des Niederdeutschen war (wo eben die Veränderung von z.B. tîd > zîd; water > wazzer; dat > daz nicht stattgefunden hat), was sich hier eben gut bemerkbar macht (so viel auch zur "reinen MHD" Form der standartisierten Fassung... ;) ).
Die kulde ist wohl die "Kälte". Wir haben heute nur noch die Form mit ä, die direkt vom Wortstamm kalt kommt (via Althochdeutsch kalti, schätze ich), aber früher gab es eben auch die abgelautete Form mit u (von der unsere widerum umgelautete Form "Kühle" noch Zeugnis tragen dürfte).

die sint an ir lîbe geströuwet;
die ihre Liebe verströmen

Der lîbe dürfte eher dem "Leib" entsprechen (s. wîsen = "weisen" oben), die "Liebe" ist eher liep, liebe oder noch viel eher eben minne. MHD ströuwen (mit diversen Varianten) ist wohl die Basis unserer modernen "streuen", bedeutet aber eher allgemeiner "hinwerfen, niederwerfen, bedecken,..." und nicht zwangsweise "streuen" (was aber natürlich trotzdem gut sein kann).
Das ist ja an sich schon alles problematisch, aber besonders irritierend finde ich eben an, wo ich nicht weiß, ob man die Präposition "an" darutner zu verstehen hat, oder ob es für ân, ôn steht, also für modernes "ohne"...

würbe ich ir hulde,
Würde ich ihr huldigen

Mit "würde" hat das wohl nichts zu tun, würbe (bzw. bei Wizlaw eigentlich vvorbe) dürfte Konjunktiv von werben sein, also "würbe ich" bzw. "wenn ich werben würde". Die hulde dürfte ein Substantiv zu "hold" sein, also "Huld, Gunst, Wohlwollen, Gnade". Daher meine Interpretation "Würbe ich um ihr Wohlwollen", also frei "wenn ich mich um ihre Gunst bemühen würde".

son’ bedörft’ ich vröuden mêr:
so bedürfte ich keiner Freuden mehr,

Verlockend, aber wo ist das "keiner"?

sus diu minniklîche mich vröuwet.
wie die … mich (er)freuen.

Die "minningliche" dürfte etwa die "minnevolle" sein, also etwas wie die "liebliche Dame", schätze ich.


aller Wurzeln Geruches Speer/Wurspieß

Ob da die Ger inhaltlich reinpasst??
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Beitrag Di Apr 10 2007 10:05

Lothenon hat geschrieben:Sal kann laut meinem Wörterbuch so verschiedene Dinge bedeuten wie "schmutzig, Schmutz, Saal, Rechtskraft", und nichts will in meinen Augen so richtig passen...

Mein Wörterbuch weist ferner auf den Gebrauch der Bedeutung 'Saal' hin in Wendungen wie des lîbes sal 'der Körper' oder himelischer sal 'Himmel', also vielleicht ähnlich wie wir heute Himmelraum sagen können statt Himmel.

Hier war ich davon ausgegangen, dass die Vorsilbe sich einfach noch nicht verselbständigt hat, sprich ich tzuo griphe = "ich greife zu"...

Gemeint ist wohl das Greifen in die Saiten.

Twingt dürfte gleich "zwingt" sein. Man darf nicht vergessen, dass der Mann ein Muttersprachler des Niederdeutschen war (wo eben die Veränderung von z.B. tîd > zîd; water > wazzer; dat > daz nicht stattgefunden hat), was sich hier eben gut bemerkbar macht (so viel auch zur "reinen MHD" Form der standartisierten Fassung... ;) ).

Der nicht verschobene Laut tw ist durchaus reines mittelhochdeutsch, jedenfalls nach meinem Wörterbuch zu urteilen.

son’ bedörft’ ich vröuden mêr:
so bedürfte ich keiner Freuden mehr,

Verlockend, aber wo ist das "keiner"?

Das n' in son' steht wohl für so ne.

aller Wurzeln Geruches Speer/Wurspieß

Ob da die Ger inhaltlich reinpasst??

Es könnte zu ströuwen passen: 'Alle (all ihre?) Kräuterduftspeere die sint an ihren Leib gestreut'.
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Beitrag Di Apr 10 2007 15:00

Mein Wörterbuch weist ferner auf den Gebrauch der Bedeutung 'Saal' hin in Wendungen wie des lîbes sal 'der Körper' oder himelischer sal 'Himmel', also vielleicht ähnlich wie wir heute Himmelraum sagen können statt Himmel.

Oh, interessant, also vielleicht ist einfach der Raum um die Wurzeln gemeint, kollektiv das Wurzelwerk? Mir kam aber gerade die Idee, dass es vielleicht doch eher (als Adjektiv?) mit dem Aspekt "Schmutz" in Verbindung zu bringen ist, vielleicht auch im Sinne von "eingegangen, verdorben"? Manigher hande dürfte wohl einfach eine poetische Umschreibung sein, die sich nicht konkret auf "Hände" bezieht?
Man könnte also vielleicht interpretieren:
• "So bezwingt der Reif vielerorts das Wurzelwerk" oder
• "Viele eingegangene Wurzeln"
Allerdings gehen Baumwurzeln von Winterkälte eigentlich nicht ein, oder?

Gemeint ist wohl das Greifen in die Saiten.

Hm, gute Idee.

Der nicht verschobene Laut tw ist durchaus reines mittelhochdeutsch, jedenfalls nach meinem Wörterbuch zu urteilen.

Stimmt natürlich. Ich bin eigentlich schon oft genug über den twerc gestolpert, als dass ich das hätte wissen müssen...

>>Verlockend, aber wo ist das "keiner"?
>Das n' in son' steht wohl für so ne.

Ok, guter Punkt, aber genau das ist ja im Prinzip meine Kritik was die Standartisierung angeht: Das Original hat so be drocht, kein n... Wenn "son' bedörft" nicht zufällig auf ein weiteres Original zurückgeht, das ich nicht kenne, kann das wohl also nicht als Argument herhalten...

Es könnte zu ströuwen passen: 'Alle (all ihre?) Kräuterduftspeere die sint an ihren Leib gestreut'.

Huiuiui, klingt für mich arg gestelzt, aber was besseres fällt mir zugegebenermaßen nicht ein...
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Beitrag Di Dez 28 2010 3:55

Nach dreieinhalb Jahren habe ich mich nun einfach mal an diesem eingeschlafenen Projekt versucht, um wieder etwas im Sindarin warm zu werden.
Was meint ihr dazu?

Golas adhanthar uin gelaidh na dalath - gylf dín hell.
Tirin goloth bân thinnast - bein i-glaur 'wann.
Helch orthor thynd na haid thlaew - i câr nin nûr.
Sí gannadon, an i-thrîw ring - glass gîw eriar.


Eher frei übersetzt, versteht sich.

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