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Rekonstruktion aus Ahd.

Verfasst: Di Apr 04 2017 12:46
von smuecke
Hallo zusammen,

bin über das wunderschöne altenglische Wort tungolcræft Astronomie gestolpert und habe mal die Etymologie von tungol recherchiert: Kommt offenbar von Proto-Germanisch *tunglą (leuchtender) Ball; Himmelskörper, Stern, davon angeleitet sind neben aengl. tungol auch isl. tungl, schwed. tungel (dial.) Mond. Ins Neuhochdeutsche scheint es dieses Wort nicht geschafft zu haben, im Ahd. gibt es noch zungal Stern, Himmelskörper.
Kennt sich jemand hinreichend mit deutschem Sprachwandel aus um zu rekonstruieren, wie sich zungal wohl ins nhd. entwickelt hätte? Evtl. einfach *Zungel? Oder gibt es vielleicht sogar doch Wörter, die davon abgeleitet sind, und die mir nur gerade nicht in den Sinn kommen?
Würde mich einfach mal interessieren, finde das Wort ganz cool! :D

Gruß,
smuecke

EDIT: Noch ein herrliches Wort, isl. tunglmyrkvi Mondfinsternis - dieser Konsonantcluster!

Re: Rekonstruktion aus Ahd.

Verfasst: Di Apr 04 2017 14:29
von Roman
Evtl. einfach *Zungel?
Ich denke schon, in diesen Althochdeutsch-Listen finden sich fogal, nagal, spiagal, tiufal, wo wir heute "Vogel, Nagel, Spiegel, Teufel" haben.
Das Wort ist echt interessant, v.a. weil es mit "Zunge" zu tun haben scheint...

Re: Rekonstruktion aus Ahd.

Verfasst: Di Apr 04 2017 14:49
von smuecke
Roman hat geschrieben:Das Wort ist echt interessant, v.a. weil es mit "Zunge" zu tun haben scheint...
Ich weiß nicht, laut Wiktionary Zunge < PG tungǭ < PIE *dn̥ǵʰwéh₂s vs. engl. tungol < PG tunglą < PIE *dAnǵʰ- - könnte auch ein Zufall sein? Semantisch sind die beiden ja nicht wirklich verwandt..

Re: Rekonstruktion aus Ahd.

Verfasst: Di Apr 04 2017 16:13
von Roman
Hier wird Grimms Theorie erwähnt, dass das Flackern der Sterne als "Züngeln" bezeichnet worden sein könnte. Aber ja, kann auch einfach nur Zufall sein, schätze ich.