Gedicht "Blätterfall"

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Heledir
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Gedicht "Blätterfall"

Beitrag von Heledir » Sa Sep 21 2013 16:20

Hallo!

Ich möchte gerne das Gedicht "Blätterfall" von Christian Morgenstern ins Quenya übersetzen.

Hier mal die erste Strophe und meine Versuche:

Der Herbstwald raschelt um mich her.
Ein unabsehbar Blättermeer
Entperlt dem Netz der Zweige.
Du aber, dessen schweres Herz
Mitklagen will den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und schweige!

Meine Übersetzung:

Esce taurëo yáviéo pelalyen.
Ëar lassion/lasselion únótima
Lantëa natsello olvaron.
Ná le yo enda lunga
Mera naina i nyérë túra:
Á ná polda, á ná polda ar á lasta!


Eine wörtliche Übertragung:

Das Rascheln des Waldes des Herbstes umgibt mich.
Ein unzählbares Meer der Blätter
Fällt herab vom Netz der Zweige (her).
Aber du, dessen schweres Herz
Wünscht (zu) beklagen den großen Schmerz:
Sei stark, sei stark und lausche!

Natürlich musste ich die poetischen Passagen ziemlich umschreiben, aber es soll ja eher vom Sinn her passen. Was die Metrik und die Reime angeht- so weit bin ich noch lange nicht^^

Anmerkungen:

-> Ëar lassion/lasselion - Für eine große Anzahl Blätter lieber den Partitiv-Plural verwenden?

-> ar á lasta - Hier konnte ich keine passende Vokabel für "schweigen" finden, stattdessen schien mir "hör zu (und sei still)" ganz gut zu passen.

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Roman
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Beitrag von Roman » Mo Sep 23 2013 13:03

Esce taurëo yáviéo pelalyen.
Eher yáviéva und als Verb vielliecht vaita- 'enfold', also: *Eske taureo yáviéva vaita nye?
Ëar lassion/lasselion únótima
Hm, es sind ja die Blätter, die unzählbar sind, also würde ich eher zu únótime tendieren, was sich dann auf lasselion beziehen würde.. Andererseits ist es natürlich poetisch.
Ná le yo enda lunga
Nó elye [...]?
Mera naina i nyérë túra:
Méra [...]
Á ná polda, á ná polda ar á lasta!
oder na dürfte als Imperativ reichen, vgl. na aire esselya 'be holy thy name'.
Ëar lassion/lasselion - Für eine große Anzahl Blätter lieber den Partitiv-Plural verwenden?
:pro:
ar á lasta - Hier konnte ich keine passende Vokabel für "schweigen" finden
"Schweigen" gibt es leider nicht, aber man könnte einfach *áva quete/*áva karpa sagen.

Heledir
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Beitrag von Heledir » Di Sep 24 2013 17:08

Super, vielen Dank für deine Hilfe!
Nó elye [...]?
Ja, das passt besser!
"Schweigen" gibt es leider nicht, aber man könnte einfach *áva quete/*áva karpa sagen
Auf sowas Schlichtes komm ich natürlich nicht^^ Irgendwie denke ich dabei immer viel zu kompliziert... muss ich mir abgewöhnen :D
Ná oder na dürfte als Imperativ reichen
Das hört sich dann viel schöner an! Sind diese kürzeren Formen ohne das á eigentlich allgemein verwendbar, oder nur im dichterischen Kontext?

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Roman
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Beitrag von Roman » Di Sep 24 2013 23:54

Das hört sich dann viel schöner an! Sind diese kürzeren Formen ohne das á eigentlich allgemein verwendbar, oder nur im dichterischen Kontext?
*Á ná + Adjektiv ist überhaupt nicht attestiert. Das einzige, was wir haben, ist na aire. Da wird zwar ein Wunsch statt einem Befehl ausgedrückt, die beiden hängen aber (nicht nur in Quenya) semantisch zusammen, vgl. á vala Manwe 'may Manwe order it'. Daher scheint mir na/ná + Adjektiv die einzige Wahl zu sein, mit Poesie hat das nichts zu tun.

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