Lorca - Curva


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Beitrag Do Aug 23 2012 16:02

Lorca - Curva

Hallo zusammen!


Ich habe das spanische Gedicht "Curva" von Federica García Lorca auf Quenya übersetzt und würde gern wissen, ob jemand Fehler findet.
Bei ein paar Dingen bin ich mir recht unsicher, siehe ganz unten.

    Spanisch:
    Con un lirio en la mano
    te dejo.
    ¡Amor de mi noche!
    Y viudita de mi astro
    te encuentro.
    ¡Domador de sombrías mariposas!
    Sigo por mi camino.
    Al cabo de mil años me verás.
    ¡Amor de mi noche!
    Por la vereda azul,
    domador de sombrías estrellas
    seguiré mi camino.
    Hasta que el Universo
    quepa en mi corazón.

    Deutsch:
    Mit einer Lilie in der Hand
    verlasse ich dich.
    Liebe meiner Nacht!
    Und Witwe meines Gestirns
    ich finde dich.
    Zähmer düsterer Schmetterlinge!
    Ich folge meinem Weg.
    Nach tausend Jahren wirst du mich sehen.
    Liebe meiner Nacht!
    Auf dem blauen Pfad,
    Zähmer düsterer Sterne
    werde ich meinem Weg folgen.
    Bis das Universum
    in mein Herz passt.

    Quenya:
    Arwa indilo i massë [1]
    hehtanyet.
    Melmë lómeonya!
    Ar eressëa nís elenonya
    hirinyet.
    Heru mornë wilwarindion!
    Hilyan tienya.
    Apa húmë coranari cenuvatyen. [2]
    Melmë lómeonya!
    Luinë axassë, [3]
    Heru mornë elenion
    hilyuvan tienya.
    Tenna Eä
    camta mír endanya. [4]



[1] → Ich wusste nicht, ob es einen bestimmten Ausdruck für in der Hand (halten) gibt. Darum habe ich den Lokativ genommen.

[2] → Nach tausend Jahren habe ich mit Apa húmë coranari übersetzt - kann man das Zahlwort für tausend einfach wie ein Adjektiv vor das Substantiv setzen? Muss ich das Zahlwort in den Plural setzen (húmi coranari)?

[3] → Müssen Adjektive kongruent zum Substantiv sein bzgl. Kasus? Müsste ich hier so etwas wie Luinessë axassë schreiben?
Ach ja, gibt es ein besseres Wort für Pfad als axa? Das wird außerdem noch mit ravine, also Schlucht übersetzt, das hat mich verunsichert. Ich wollte aber nicht immer tië benutzen (also irgendwie unterscheiden zwischen einem physischen und einem geistigen Weg).

[4] → Hier habe ich mehrere Bedenken: Darf man tenna auf einen Vorgang beziehen wie in Bis das Universum ... passt oder muss es ein Substantiv sein wie tenn' ambar-metta oder tenn' arin ?
Außerdem, übertrage ich die Bedeutung richtig mit Tenna Eä camta mír endanya, also ist das Verb camta- hier richtig?


Gruß und Dank im Vorraus,
Sascha
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Beitrag Do Aug 23 2012 17:34

das spanische Gedicht "Curva"

Zum Glück kein polnisches. :biggrin:

[1] → Ich wusste nicht, ob es einen bestimmten Ausdruck für in der Hand (halten) gibt. Darum habe ich den Lokativ genommen.

Klar, warum nicht?

lómeonya, elenonya

lómenyo, elenyo

hirinyet

*hiruvanyet würde von der Silbenzahl her zu te encuentro passen.

[2] → Nach tausend Jahren habe ich mit Apa húmë coranari übersetzt - kann man das Zahlwort für tausend einfach wie ein Adjektiv vor das Substantiv setzen? Muss ich das Zahlwort in den Plural setzen (húmi coranari)?

Das Zahlwort ist nachgestellt und steht ab 3 im Plural, archaisch im Genitiv-Plural. Das Wort húme in frühes Qenya, aus Sindarin meneg würde ich vielleicht *menke rekonstruieren, also:
*apa koranári menke oder archaisch *apa koranárion menke

[3] → Müssen Adjektive kongruent zum Substantiv sein bzgl. Kasus? Müsste ich hier so etwas wie Luinessë axassë schreiben?

kurze Antwort: Nein
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Ach ja, gibt es ein besseres Wort für Pfad als axa? Das wird außerdem noch mit ravine, also Schlucht übersetzt, das hat mich verunsichert. Ich wollte aber nicht immer tië benutzen (also irgendwie unterscheiden zwischen einem physischen und einem geistigen Weg).

Wir hätten noch men, aber ob eines abstrakter ist als das andere - keine Ahnung..

4] → Hier habe ich mehrere Bedenken: Darf man tenna auf einen Vorgang beziehen wie in Bis das Universum ... passt oder muss es ein Substantiv sein wie tenn' ambar-metta oder tenn' arin ?

Als eine Konjunktion mit der Bedeutung 'until' haben wir mennai attestiert (mennai Orome tanna lende 'until Orome came thither', VT27), allerdings in einem recht frühen Text. Da sieht man, dass noch ein Complementizer i dazukommen muss. Den sehen wir auch in den späten potai, epetai, tai, nai.
Ich würde schwanken zwischen *tennai und der Möglichkeit, mennai zu benutzen, da es im späteren Quenya die Bedeutung beibehalten würde: men-nna-i 'spot-ALL-COMP'.

Außerdem, übertrage ich die Bedeutung richtig mit Tenna Eä camta mír endanya, also ist das Verb camta- hier richtig?

Die Übersetzung ist 'to (make) fit; to fit, accommodate'. Es kann also sowohl 'to make fit', als auch 'to fit' bedeuten, einmal kausativ, und einmal medial. Das haben wir auch bei orta- 'rise, raise'. Von daher passt es.
In der Vergangenheit gäbe es wahrscheinlich einen Unterschied: *kamtane 'made [an object] fit [into something]', *kamante 'fit [into something]'.
Zuletzt geändert von Roman am Fr Aug 24 2012 13:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag Do Aug 23 2012 23:31

Da blieb keine Frage offen - vielen Dank für die ausführliche Antwort! :D

Nur noch nebenher zu lómenyo / elenyo:
Dann also auch z.B. lómenyassë, lómenyanna, ... ?
Und im Plural lóminyo, lóminyassë, ... ?


Roman hat geschrieben:
das spanische Gedicht "Curva"

Zum Glück kein polnisches. :biggrin:

Haha xD - dann wäre es aber ein polnisches mit schlechter Orthographie!


Gruß,
Sascha
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Beitrag Fr Aug 24 2012 13:03

Dann also auch z.B. lómenyassë, lómenyanna, ... ?

Yupp.

Und im Plural lóminyo, lóminyassë, ... ?

Ich würde sagen, die Possessiv-Endung kommt zuerst, und das Wort wird dann wie ein vokalisches Substantiv behandelt, vgl. símarya-sse-n, also eher *lómenya-ron, *lómenya-ssen.
Was die Plural-Endung angeht, so sehen wir sie zweimal in lúm-i-sse-n , jedoch nur einmal in kelume-ssen. Daher wären *lóminyaron, *lóminyassen auch denkbar.

Tatsächlich haben wir auch ondo-li-sse, wo die Partitiv-Plural-Endung nur in der Mitte vorkommt statt ondo-li-sse-n (was auch attestiert ist, genauso wie falma-li-nna-r). Das könnte man als Begründung zu *lóminyo, *lóminyasse hinzuziehen.. Aber es ist eben unklar, inwiefern so eine Bildung für den Partitiv-Plural reserviert ist. Ich würde sie eher vermeiden, bis sie auch mit dem normalen Plural belegt ist.

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