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Verfasst: Mi Mai 27 2009 14:25
von Lothenon
Das ist aber gemäss J. C. Wells eher umgekehrt, vgl. Quellen oben. Hast du Quellen, die dem widersprechen?
Stimmt, da hatte ich irgendetwas falsch abgespeichert... Zu Tolkiens Lebzeiten war quantitative Transkription die Regel (z.B. /sit/, /si:t/ für "sit, seat"), die eben wenig Sonderzeichen benutzte, somit auch eher e. Sieht man auch recht gut in all seinen Sarati-Tabellen in PE13, wo Tolkien den Kurzvokal von Englisch wie auch Quenya immer als e angibt. Bei den Langvokalen jedoch unterscheidet er ganz gerne mal zwischen ę und (jeweils mit Makron), was wohl für eine offenere bzw. geschlossenere Aussprache stehen dürfte.
Aber ich schweife ab...

Wells (ich schätze, du beziehst dich auf diesen Artikel) führt letztlich jedoch bei der Beschreibung von Uptons Reform 1995 an, dass das englische e de facto näher an [ɛ] ist, als an [e]. Ich erinnere mich auch an meinen Phonetik-Prof, der sagte, die Schreibung als /e/ rühre eher daher, dass phonemisch betrachtet natürlich nur ein Zeichen nötig ist (bezogen auch auf die unterschiedlichen Realisationen in Diphthongen), und man einfach das herkömmliche gewählt hat.

Mir reicht das als Argumentation, das englische e bei fiktiver Längung (wie eben in Sindarin ê) eher dem deutschen langen ä entsprechend zu präsentieren.

So oder so kann ich aber sehr gut mit Arans Vorschlag leben ^^

Bliebe die Frage, wie das bei den o-Lauten gemacht werden könnte.
Schwierig... Das Tolkien'sche Beispiel für elbisches o ist englisch "for", und da die Länge in seinen Beispielen kein Kriterium darstellt, müssen wir wohl von [ɔ] ausgehen.
Problematisch wird es hier aber eben gerade dadurch, dass (wie oben angeführt) eine quantitative phonetische Darstellung an der Tagesordnung war. Tolkien selbst hat besonders die Darstellung o, ō gepflegt, das OALD z.B. (Ausgabe von 1963) zeigt ɔ, ɔ: (in "cot" und "caught").
Es erschließt sich mir also gerade nicht 100%ig, ob Tolkien mit seinem Beispiel einfach nur sagen wollte "elbisches o entspricht englischem" (womit das Beispiel auch etwa "got" gelautet haben könnte), oder ob er konkret den Lautwert seines Beispiels meinte.
Die Frage ist also in meinen Augen: [ɔ] oder [ɒ]?

In meiner Tabelle auf Ardhon Ellammath habe ich mich damals für [ɒ] entschieden, aber man darf mir natürlich gerne widersprechen.
Die Unterscheidung der Länge des Sindarinvokals wäre also mit den englischen Beispielen "got" für [ɒ] und "god" für [ɒ:] ganz gut darstellbar (die phonematische Darstellung der modernen Wörterbücher dürfte in beiden Fällen /ɒ/ haben, aber hier ist natürlich das Phänomen des "Clipping" von (im Englischen naturgemäß) leicht gelängten Vokalen vor stimmlosen Konsonanten nicht berücksichtigt).

Verfasst: Sa Mai 30 2009 11:52
von mach
Insofern als eine phonetische Beschreibung des britischen Englisch die qualitativen Unterschiede der o-Laute berücksichtigt, wird ein Wort wie hot mit [ɒ] umgeschrieben, ein Wort wie for hingegen mit [ɔ], egal ob es nun [ɔ:] ist oder – wie gemäss Wells in älterer Received Pronunciation – ob es [ɔǝ] ist.

Das englische Wortpaar got – god dünkt mich zur Illustration der unterschiedlichen Vokallänge wenig geeignet, denn der Längenunterschied tritt zwar im amerikanischen Englisch deutlich auf, im britischen Englisch hingegen viel weniger. Im amerikanischen Englisch wiederum herrscht eine ungerundete Aussprache dieses Vokals vor als [ɑ].

Mir fällt gerade auf, dass Tolkien ja im Herrn der Ringe für die Vokale i e a o u die englischen Beispielwörter machine, were, father, for, brute gewählt hat, zusammen mit den zusätzlichen Spezifikationen «of normal kind» und «irrespecitve of quantity». In The Road Goes Ever On hingegen hat er für dieselben Vokale die englischen Beispielwörter sick (neben see für langes í), bed, ah (shortened), hot (rounder than in modern E), foot gewählt. Die Wortpaare father – ah sowie were – bed weisen zwar denselben Vokal auf, nämlich [ɑ:] bzw. [e], die Wortpaare machine – sick, for – hot, brute – foot weisen hingegen unterschiedliche Vokale auf, nämlich [i: – ɪ], [ɔ: – ɒ], [u: – ʊ]. Hat Tolkien an anderen Orten noch andere Beispielwörter verwendet?

Was mich auch interessant dünkt, ist, dass wir bei Tolkien in gewissen phonologischen Englischschreibweisen ein Zeichen für langes [e:] vorfinden, beispielsweise in DCS 18. Das erstaunliche daran ist, dass ein solcher Laut in den gewöhnlichen phonologischen Analysen des Englischen überhaupt nicht figuriert. Wir finden Tolkiens langes [e:] nur vor r in der Umschrift von Wörtern wie chair oder fairy als [če:r] bzw. [fe:ri], im Gegensatz zur Umschrift von Wörtern wie very als [veri] mit kurzem [e].

Verfasst: Mo Jun 01 2009 12:43
von mach
Da bin ich beim Schneuken in Wells' Blog noch über eine weitere Diskussion des englischen E gestürchelt, wo er übrigens meine obige Vermutung bekräftigt, dass der Vokal von bed in älterer Received Pronunciation geschlossener ausgesprochen wurde, also näher beim deutschen E als beim deutschen Ä: More about e and ɛ.