Revision von 'Pedin Edhellen'

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Thorsten
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Revision von 'Pedin Edhellen'

Beitrag von Thorsten » So Sep 30 2007 14:43

Wie sich inzwischen rumgesprochen haben sollte hat insbesondere PE17 recht viele neue Erkenntnisse ueber Tolkien's Ideen zu Sindarin nach der Veroeffentlichung von LOTR um 1959/60 gebracht. Und das soll und muss die Art wie wir Sindarin lehren beeinflussen.

Es ist auch kein Geheimnis dass Tolkien's Sprachen staendigem Wandel unterworfen sind und Sindarin 1960 nicht gleich Sindarin 1967 oder 1955 ist. Selbst innerhalb von PE17 sind nicht alle Informationen miteinander kompatibel sondern schliessen sich gegenseitig aus, und widersprechen auch anderen Quellen.

Wenn man auf der anderen Seite Sindarin lehren will muss man eine zu einem gewissen Grad standardisierte Sprache darstellen. Das macht eine Auswahl aus den Quellen noetig.

Flo hatte schon mal angedeutet dass er im Zweifelsfall die spaetesten Quellen vorzieht, Helge Fauskanger scheint das ebenso zu halten. Aus Gruenden die mir hier zu langwierig zum Schreiben sind mag ich das nicht - ich wuerde gerne zeitliche Naehe zu der Publikation von LOTR als Kriterium nehmen, was PE17 z.B. vor HFN stellt und auch den Etymologies noch einiges Gewicht gegenueber sehr spaeten Quellen gibt.

Hier wuerde ich gerne diskutieren was in 'Pedin Edhellen' wie dargestellt werden sollte. Um Enttaeuschungen zu vermeiden: Es geht hier um Meinungen von euch die mich interessieren und beeinflussen, nicht um eine Abstimmung. Ich als der verantwortliche Autor treffe die Entscheidung wie Revisionen am Ende ausgefuehrt werden letztlich alleine.

1. Vergangenheitsformen

Hier scheint mir meine Analyse The Sindarin Past Tense zu ergeben dass sich nicht so viel aendert. Der Hauptpunkt ist dass starke Formen jetzt recht konsistent ein Augment aus dem vorangestellten Stammvokal bekommen, das wuerde ich neu einfuegen, also *ebent anstatt pent. Was vorher Laengung hatte behaelt sie, aber bekommt ebenfalls ein Augment, also S: *achol statt N: haul (von hal- 'heben').

Alle mir bekannten abweichenden Formen sind Noldorin oder (im Fall von pent unklaren Ursprungs). Perfekt-Partizipien wuerden dann ohne Augment gebildet, nachdem es dafuer keinen Hinweis gibt.

Fuer die schwache intransitive Vergangenheit gibt es in Noldorin -s und in PE17 -ir und -st und evtl. auch -s - das wuerde ich dann auf -s belassen.

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » So Sep 30 2007 14:57

2. Pronomenendungen

Das ist ein bisschen trickreich wenn man (wie ich) daran glaubt dass das System der Pronomen von charakteristischen Konsonanten lebt die sich nicht aendern, egal ob man possessive oder personale Pronomen anguckt.

Wenn ich die Dualformen mal auslasse (von denen ich nicht sicher bin ob ich sie ueberhaupt reinnehmen moechte nachdem man sie so gut wie nie braucht) dann findet man:

I) In PE17:46 aus lammen, lammeg/lammel, lammed... die Zuordnung:

1sg n
2sg c/l (wobei c >g leniert wird)
3sg t (mit Lenition t > d

1pl. m(ir)
2pl. l(ir)/g(ir)
3.pl. nt

also Pluralformen mit optionalem -ir, -l als formelle 2. Person und -nt als 3pl, etwa linnant 'sie singen', vs. edhil linnar 'Elben singen', linnagir 'ihr singt'

II) Auf der selben Seite findet sich die Reihe im, ech, est was 2. sg. -ch und 3sg. -st als zumindest moeglich erscheinen laesst.

III) PE17:132 schliesslich hat ein komplettes Paradigma - das allerdings nicht so gut mit dem was man sonst in Quenya sieht zusammengeht (das ist auch so ein Argument fuer mich, dass der Sindarin und der Quenya-Kurs konsistent sein sollen, also vom gleichen fiktiven CE abgeleitet - allerdings koennen Unterschiede ja von Tolkien auch gewollt sein, das scheint hier zu einem gewissen Grad der Fall zu sein). Da haben wir

1sg n
2sg g/dh
3sg zero

1pl. m/nc
2pl. gir/dhir
3pl. r

Also damit linnagir 'ihr singt', aber linnar alleine schon 'sie singen' und dh anstatt l taucht prominent auf, -ir im Plural ist nicht optional.

Meinungen welche dieser Ideen wie mit anderem Material zusammenpasst bitte, und was im Zweifelsfall vorzuziehen ist :biggrin:

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Roman
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Beitrag von Roman » So Sep 30 2007 18:39

III) PE17:132 schliesslich hat ein komplettes Paradigma - das allerdings nicht so gut mit dem was man sonst in Quenya sieht zusammengeht (das ist auch so ein Argument fuer mich, dass der Sindarin und der Quenya-Kurs konsistent sein sollen, also vom gleichen fiktiven CE abgeleitet
Genau von der Seite würde ich das ganze aufziehen und auch erstmal Ausschau nach dem halten, was denn überhaupt halbwegs konstant geblieben ist.
Wir haben sicherlich das höfliche le im HdR und die Idee, dass das aus Quenya stammt (immerhin in Rgeo zu Tolkiens Lebzeiten veröffentlicht). Dieses le löst früheres de, ðe ab - in PE17:26 und implizit nochmal in VT49:5. Es wäre dann genau das ð aus dem PE17:132-Paradigma. Für das Gegenstück zu le kommt dann ja nur noch ki in Frage.

Also scheint mir ganz vernünftig:
2. Sg. g/l
In beiden Paradigmen wird der Plural mit -ir gebildet, also:
Pl. gir/lir (vielleicht archaisch -ð(ir))

In der 3. Person schient se/te mit späterer Unterscheidung Sg. se, Pl. te (belebt) und sa/ta (unbelebt) die gängige Idee nach dem HdR zu sein (schon in VT43:29; Pl. avatyarilta; kein ta 'that, it' wie in Etym). Das würde Richtung 3. Sg. "zero" (*caris > *cari(h) > câr) und des PE17:132-Paradigma zu deuten. Dort haben wir aber 3. Pl. -r und dasselbe auch im Silm Firn-i-Guinar "kanonisiert"; also würde ich dabei bleiben.

Es ist vielleicht auch gar nicht zufällig, dass das PE17:132-Paradigma unterden Papieren über Nord/Alt-Sindarin und Doriathrin liegt, denn auf S.133 erfahren wir über Doriathrin: 'it (for instance) preserved in common use the dual of nouns, pronouns and verbal personal inflections'. Ich tendiere also dazu, zu sagen, dieses Paradigma repäsentiere das "pure Sindarin" (mit sehr vielen historischen Formen), im Zuge der Entwicklung kommt entlehntes 2. l dazu und der Dual verschwindet.
Dann bleibt nur die Frage nach inklusiv/exklusiv...

Ailinel
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Beitrag von Ailinel » So Sep 30 2007 19:19

Bei 2. Pl. würde ich auch in Erwägung ziehen: "as sg. but can be pluralized" (PE17:132); also Pluralformen eventuell optional.

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Lothenon
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Beitrag von Lothenon » Mo Okt 01 2007 10:38

also Pluralformen mit optionalem -ir, -l als formelle 2. Person und -nt als 3pl, etwa linnant 'sie singen', vs. edhil linnar 'Elben singen', linnagir 'ihr singt'
Verstehe ich das richtig, diese Angaben ziehst du aus der Liste der Possessivendungen? Hältst du es da nicht für ein bisschen gewagt, sie ohne Veränderungen auch für die Verbenkonjugation zu benutzen? In der von dir zitierten Liste (PE17-Thread, erster Post bzw. hier III), wenn ich dich richtig verstehe) finden sich keine Pluralformen ohne -ir, und so verlockend der Gedanke von Plural (plus Subjekt-Nomen) -r neben 3.pl. (inkl. Person) -nt auch sein mag, würde dies nicht auf der einen Seite mit vielen starken Vergangenheitsform kollidieren und zum andern voraussetzen (oder zumindest nahelegen), dass -d für die 3.sg. benutzt würde (also linnad = er/sie/es singt, neben edhel linna = ein Elb singt)?
II) Auf der selben Seite findet sich die Reihe im, ech, est was 2. sg. -ch und 3sg. -st als zumindest moeglich erscheinen laesst.
Verstehe ich gerade leider garnichtmehr. In welchem Rahmen werden diese...Pronomen? Pronomialsuffixe?...gelistet?

Ich würde mich also zunächst eher für III) aussprechen und tendiere für das Lexikon auch stark dahin.
Es ist vielleicht auch gar nicht zufällig, dass das PE17:132-Paradigma unterden Papieren über Nord/Alt-Sindarin und Doriathrin liegt, denn auf S.133 erfahren wir über Doriathrin: 'it (for instance) preserved in common use the dual of nouns, pronouns and verbal personal inflections'. Ich tendiere also dazu, zu sagen, dieses Paradigma repäsentiere das "pure Sindarin" (mit sehr vielen historischen Formen), im Zuge der Entwicklung kommt entlehntes 2. l dazu und der Dual verschwindet.
Das klingt durchaus einleuchtend und verlockend. Für spätes "reines" (aus dem Falathrim-S. hervorgegangenes) Sindarin könnte so also leicht die komplette Dual-Konjugation wegfallen und -dh konsequent durch -l ersetzt werden... Ebenso mag Plural -ir hierdurch auch intern eine gewisse Variabilität besitzen...

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » Mo Okt 01 2007 11:02

Dort haben wir aber 3. Pl. -r und dasselbe auch im Silm Firn-i-Guinar "kanonisiert"; also würde ich dabei bleiben.
Das kanonisiert leider nur die Pluralinflektion als -r, aber garantiert nicht dass die 3pl. auch -r ist, siehe i carir 'those who make' vs. carinte 'they make' im Quenya.

Die Frage ist doch - sind diese Formen im Sindarin getrennt oder nicht?

Verstehe ich das richtig, diese Angaben ziehst du aus der Liste der Possessivendungen? Hältst du es da nicht für ein bisschen gewagt, sie ohne Veränderungen auch für die Verbenkonjugation zu benutzen?
*shrugs*

Wir reden hier ueber den Unterschied zwischen e.g. primitiven -njā und -njē - ich sehe nicht was sich da prinzipiell im Sindarin gross anders tun sollte. Eine unveraenderte Tabelle ohne -l- im Licht des Ae Adar zu uebernehmen ist genauso 'gewagt' - wie schon gesagt, die 'richtige' Loesung gibt es nicht.
In der von dir zitierten Liste (PE17-Thread, erster Post bzw. hier III), wenn ich dich richtig verstehe) finden sich keine Pluralformen ohne -ir, und so verlockend der Gedanke von Plural (plus Subjekt-Nomen) -r neben 3.pl. (inkl. Person) -nt auch sein mag, würde dies nicht auf der einen Seite mit vielen starken Vergangenheitsform kollidieren
Ja - und? Englisch 'hurt' ist present, past und perfect participle und man versteht die Sprache immer noch.
und zum andern voraussetzen (oder zumindest nahelegen), dass -d für die 3.sg. benutzt würde (also linnad = er/sie/es singt, neben edhel linna = ein Elb singt)?
Das gleiche Paradigma aus dem ich linnant 'sie singen' ziehen wuerde enthaelt auch linnad (linnod?) 'er singt' - dam koennte man edhil linnar gegenueberstellen, dann waere das System wie im Quenya realisiert. Interessant ist dann ob lin oder linna in der personenlosen Singular-Form realisiert waere, linna kann ja nur existieren weil eine urspruengliche Form mit -sV weggefallen ist aber den Vokal bewahrt hat.
Verstehe ich gerade leider garnichtmehr. In welchem Rahmen werden diese...Pronomen? Pronomialsuffixe?...gelistet?
Die stehen da ohne Erklaerung, sind aber wohl emphatische Pronomen (zumindest im ist ja bekannt).

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » Mo Okt 01 2007 12:45

3. Die Genitive

Aran fasst das ganz schoen zusammen was in PE17 zu finden ist:
Sg. en vor Vokalen, na vor Konsonanten
Pl. nan vor Vokalen, en (+ Nasalmutation) vor Konsonanten
Daneben haette man dann den unmarkierten Genitiv durch Nebeneinanderstellung, der bestimmt sein kann (cf. condir i drann oder unbestimmt cf. aran Gondor und natuerlich auch im Plural auftaucht (cf. Aerlinn in Edhil).

Was passt jetzt zum markierten Genitiv?

Die Ausdruecke Orthad en-Êl, Ered en Echoriath, Cabed en Aras , Conin en Annûn gehen schon mal gut, Haudh-en-Ndengin zeigt dann die Pluralform.

Methed-en-Glad scheint mir jetzt nicht so gut zu passen - da sollte man ja na 'lad erwarten, Aran zitiert noch en-Faroth, en-Nirnaith.

Es scheint, die Formen mit na auszulassen bringt ein hoeheres Mass an Konsistenz mit anderen Quellen (und nimmt auch Funktionalitaet von na.

4. Funktionen von na

Abermals Aran zitierend:
- na (< nā) mit Lenition: 'to, towards, of space/time', n' vor Vokalen
- na mit Nasalmutation: '"with", in the sense of possessing, provided with, especially of characteristic feature'
finde ich eigentlich recht brauchbar - die grosse Frage ist, was passiert wenn noch der bestimmte Artikel dazukommt?

5. Was mutiert was?

Da gibt's auch einige neue Erkenntnisse:

* a 'und' loest offenbar Mutation aus (je nach Konzept sogar recht komplex)
* Adverben loesen Lenition eines folgenden Verbs aus - daher das ganze Problem von mae govannen
* es scheint so dass Verben keine Lenition bei folgenden Adverben ausloesen - edro hi wird mit einer Unterscheidung hi/si erklaert und es bleiben dann eigentlich nur Partizipien wie síla díriel oder penna míriel wo die Beweislage uneindeutig ist, ich wuerde die Regel wohl kippen

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Roman
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Beitrag von Roman » Mo Okt 01 2007 20:54

die grosse Frage ist, was passiert wenn noch der bestimmte Artikel dazukommt?
Tja, gute Frage.. Ihn einfach nachzustellen na(n) i gair/na(n) i chîr mag ein Schuss ins Blaue sein oder die sichere Variante.
Eine andere Frage ist, was denn nun mit dem Instrumental passiert - ma wie in Telerin würde mir jetzt spontan einfallen..
* a 'und' loest offenbar Mutation aus (je nach Konzept sogar recht komplex)
Auch das scheint eine fix gewordene Idee zu sein (es gibt keine Konzeption ohne Mutation) und wie arphent zeigt (sollte doch angeblich auch aus den 50ern sein), gab es da noch mehr Konzeptionen als in PE17 aufgeführt.

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Lothenon
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Beitrag von Lothenon » Sa Okt 06 2007 13:54

@Pronomina: *grübelnd Zustimmung nick*

@Genitive: In RGEO finde ich gerade "In the Willow-meads of Tasarinan" (im Original im LotR und dort von Fangorn gesungen; ich weiß jedoch grade nicht, ob die Fassungen identisch sind), und da lesen wir Taur na neldor für Neldoreth und Orod na Thôn für Dorthonion, was voll in das von Aran umrissene System passen würde.

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » Mo Okt 15 2007 11:14

So, mit dem ersten Teil bin ich so weit mal durch:

Pedin Edhellen v2.5 als pdf

und Changelog als txt

Ich bitte um Kommentare und Korrekturen, insbesondere uebersehene Formen, nicht konsistente Darstellung, Tengwarfehler (sehr beliebt...), Stellen wo neue Vokabeln besser passen als etwas altes, und, und, und.

Bei all dem aber bitte im Auge behalten: Pedin Edhellen ist ein Grundkurs Elbisch fuer Leute die mit der Sprache ein bisschen was anstellen wollen, keine Einfuehrung in Tolkien-Linguistik. Ganz oft kommt es vor dass eine detailliertere Darstellung wie es bei Tolkien wirklich ist einfach nicht in Frage kommt.

Neu ist dass ich etwas freier mit den Mutationsregeln umgehe und die auch so darstelle. Ich denke nicht man muss jedes Adjektiv oder Verb lenieren, und ich lasse das bewusst weg wenn die Alternative besser klingt. Mal sehen wie sich das in der Praxis bewaehrt.

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Avorninnas
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Beitrag von Avorninnas » Mo Okt 15 2007 15:04

Heiliger Strohsack - hast du letzte Woche auch noch irgendwann geschlafen, sag mal? Dein Tag hat offensichtlich mehr Stunden als meiner... offensichtlich hat Quantenphysik als Spezialgebiet doch tatsächlich einige Vorteile. :biggrin:
Verrätst du uns, wo du das Wurmloch entdeckt hast?

So, jetzt habe ich mir die Datei mal runtergeladen. Ich biete mich schon mal als Korrekturleserin an. Mein Sohn ist auf Klassenfahrt und ich habe ein paar Tage freie Zeit zur Verfügung. (Nur für die Tengwar musst du dir jemand anderen suchen. *g*)

Reingeblättert habe ich auch schon und habe eine Anmerkung für den Text der ersten Lektion.
Wäre es nicht sinnvoll, das "ja" da drin, anstatt durch das "gewohnte" mae durch ma = good, excellent, that´s right, zu ersetzen? Ich denke Tolkien hatte damit vielleicht so etwas im Sinn wie das lateinische "hoc est" - das jahrhundertelang in den romanischen Ländern als Bestätigung auf Ja/Nein-Fragen üblich war. (Es hat sogar einer Landschaft ihren heutigen Namen gegeben - das "Languedoc" = die Gegend, wo die Leute "hoc" - anstelle des im Norden üblichen "oui" - sagen.) Die Bedeutungen Sindarin/Latein unterscheiden sich kaum voneinander und ich hielte es für eine gute Alternative, die ein reales Vorbild besitzt. (Die Tolkien als ursprünglichem Altphilologen völlig vetraut war.)
Ich finde, es würde sich in diesem Zusammenhang ganz gut machen. Uin hast du ja auch verwendet, wie ich sehe.

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Roman
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Beitrag von Roman » Mo Okt 15 2007 15:29

Physiker kennen keinen Schlaf. Physikr brauchen keinen Schlaf. :biggrin:


- Pl.-Pronomen in der 3. Person
Prim. *hoi würde doch *hui statt *hy ergeben (wie oi- > ui- 'eternal', genauso *hei > hî (mit langem "i"). Und Noldorin hat unter S- ja Pl. m./f./n. huin, hîn, hain.
Noldorin lautet o > y in einsilbigen Wörtern um (yrch, yrn), der mask. Singular ist aber ho, hon, hono, Pl. huin. Jedoch sind die erwähnten primitiven Formen ho/hô, hu/hû. Im Plural scheint mir also hier hû > huin aufzutreten. In Sindarin wäre das Ergebnis das gleiche.
Daher sehe ich nicht, was man an diesen Formen überhaupt ändern muss bis auf hein >> hain.

- Mutation von lh, rh
Erstmal haben wir nun die nasale Mutation dazu attestiert:
nan|sr > nassr > nathr (PE17:147)
Also *a thraw, *a thlûg, was auch irgendwie logisch erscheint.

Bei der Lenition haben wir KHARAS > N. rhass, i-rass, 'older i-chrass'. Nun ist das ein Sonderfall, weil die prim. Form *khrass statt *srass ist, das Prinzip scheint mir aber generell zu sein: historisch vs. analog (dasselbe bei a gwath/a chwath und vermutlich bei penim vast/i mbas).
Demnach finde ich ganz sinnvoll anzunehmen: hist. *i thraw, *i thlûg, analog *i raw, *i lûg - beim letzteren passiert einfach nur das, was bei Lenition generell geschieht, ein stimmloser Laut wird stimmhaft.
Aber rhass bleibt ein Sonderfall und wird hist. zu i chrass leniert.

- Mutation nach a
Ich wäre ja auch für as mit entsprechenden Mutationen, weil ASA- auch sehr spät erwähnt wird, aber scheitert es nicht letzlich daran, dass a Berhael attestiert ist? Auf einer Notiz heißt es ja einfach 'with soft mutation' (PE17:102). Ist das nicht evntl. sinnvoller?

Hierbei:
50: ah iâr
126: ah iâur
Nach dem Prinzip, welches Tolkien andeutet, hätte man *a sjâra > *a haur, also in dem Fall eine Mutation j > h. Wenn das zu weit hergeholt erscheint, müsste es zumindest a iâr heißen, weil es ein Konsonant ist.

- bare verb stems:
Scheinen die Beispiele uin gar etc. nicht darauf hinzudeuten, dass Sindarin in Hilfskonstruktionen keinen Infinitiv verwendet, also z.B. Aragorn gên adan nor nan aeglir anstatt neri?


Und noch ein paar Kleinigkeiten:

16: in ion (the sons)
Warum keine Umlautung zu *in ýn (oder so)?

33: Hai lui ym mi Chithaeglir.
Sollte das nicht unpersönlich ohne hai sein?

45: uannui (monstrous)! anuannui in yrch (most monstrous of the orcs)
uanui?

45,47 etc.
Statt *lint scheint nun lim passender zu sein.

50: gwa- (together with, an archaic version of go-)
Woher stammt das eigentlich? Laut Q&E gwa- occurred only in a few S dissyllables, where it was stressed, or in their recognizable derivatives (dasselbe in Goldogrin und frühem Noldorin - betont gwa-, unbetont go-)

60: thambas
>> thamas?

74: adhonc
adhanc?

78: *rocha- [und überall wo's vorkommt]
Besser ist wohl northa- (PE17:168)

93: For I-verbs, the present active participle is formed by appending -el to the stem of the verb:
Und was ist mit úgarol, fergenol etc.?

110: altes Problem: nelchaenen '31st'?

113:
Ich verstehe das ganze elia-Paradigma nicht so recht.. Die einzige persönliche Form wäre doch die 3. Sg., also ail (< ulyâ), *eiliant, *eiliatha, aber warum z.B. Verg. aul?
Wegen runya > ruin '(fiery) red' (PM:366) scheint mir *uil aber eigentlich wahrscheinlicher zu sein.

114: dannant (he fell)
Nicht *dannas?

103,113,124,126,130,148: Hier gibt's noch allerlei ungeänderte ch-Formen.
Zuletzt geändert von Roman am Mo Okt 15 2007 17:37, insgesamt 1-mal geändert.

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Eirien
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Beitrag von Eirien » Mo Okt 15 2007 16:43

Uff, Thorsten, wann machst du das alles!? :shock:
Mit deinem Tempo kann eh keiner mithalten - egal, ich hab' mir die Dateien mal 'runtergeladen und ausgedruckt; mal sehen, wie schnell ich jetzt dazu komme, meine Laienkommentare abzugeben.

Zwei Sachen schon mal auf die Schnelle:
33: Hai lui ym mi Chithaeglir.
Sollte das nicht unpersönlich ohne hai sein?
Wäre besser, vor allem kann man's nicht mit "it are" übersetzen, wenn auch hai = pl. 'es'... "there are" müsste es heißen, aber ich vermute mal, "there" willst du an dieser Stelle hier nicht haben?

Bei den neuen Verbformen sind jetzt, glaube ich, die englischen Pronomen ein bisschen durcheinander geraten, jedenfalls springt mir direkt ins Auge:

S 40:
2. pers. (courteous) *-l (thou) *-lir (’thou’ pl.)
2. person -g (you) -gir (you)
aber auf S 41 geht's weiter:
Using ped-, one finds:
pedin (I speak), pedil (thou speakest), pedig (you speak), pêd (he speaks)
pedim (we speak), pedinc (we speak), pedilir (thee speakest), pedigir (you
speak), pedir (they speak)
Das müsste doch dann aber heißen:
pedil° (thou speakest), pedig (ye speak)...
pedilir° (you speak), pedigir (ye speak)

und (wieder zurück zu S 40):
2. pers. (courteous) *-l° (you) *-lir° (’ye’ pl.)
2. person -g (thou) -gir (ye)

°Warum denn jetzt eigentlich nicht pedið und pediðir (usw.)?

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » Mo Okt 15 2007 17:48

Na, ihr seid aber auch recht fix... Ich schreib' dann morgen mal mehr im Detail meine Meinung dazu, jetzt erst mal nur kurz:
103,113,124,126,130,148: Hier gibt's noch allerlei ungeänderte ch-Formen.
:biggrin: Ja - weil ich bisher nur Teil 1 bearbeitet habe...

Ailinel
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Beitrag von Ailinel » Mo Okt 15 2007 18:09

Über den Gebrauch von "thou" habe ich ebenfalls nachgedacht, bin aber zu dem (vielleicht irrtümlichen ?) Schluss gekommen, dass Thorsten hier nicht generell die historischen englischen Pronominalformen wieder einführen möchte, sondern "thou" als Entsprechung für "formality" benutzt, wobei ich allerdings glaube, dass der Nominativ Plural von "thou" vermutlich "ye" sein sollte, nicht "thee".
Vgl. auch Tolkiens eigene inkonsistente Verwendung dieses Pronomens in LotR hier.

Den historischen Sprachgebrauch wiederzubeleben, vgl. hier, käme mir sehr seltsam vor und ist auch gar nicht möglich, sofern man "thou" (le, -l, -lir) in diesem Kontext als "formal" bzw. "ceremonious" betrachtet.

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