Gemischte Mutation

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Thorsten
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Gemischte Mutation

Beitrag von Thorsten » Sa Mär 17 2007 11:16

Ich erinnere mich dass vor einer Weile Flo mal Argumente gepostet hatte dass die Idee mit der gemischten Mutation verworfen werden sollte. Ist das zutreffend, und wenn ja waere das moeglich die hier nochmal zu bringen?

Naegreth
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Beitrag von Naegreth » Do Mär 22 2007 13:18

*kramt in der alten Kiste*

Ja, Flo hatte das schonmal angesprochen:
Die häufig zitierte Gemischte Mutation enthält scheinbar, wie der Name impliziert, Ergebnisse die teils der Lenition entsprechen, teils Nasal- oder Stoppmutation. Es sind jedoch keine Merkmale der letzten beiden nachweisbar, es sei denn man zählt die Abwesenheit von Veränderung bei einigen Konsonanten zu einer Eigenschaft der Stoppmutation...
Vielmehr bin ich geneigt den Genitivartikel en einfach als einen Sonderfall zu betrachten, der lediglich p, t, c erweicht und keine weiteren Auswirkungen hat. Es ist mir schleierhaft, wie Fauskanger zu der Annahme kommt (bzw. wie ich dies so lange übersehen konnte ;) ), b bliebe normalerweise unverändert, würde aber zu m wenn ein Liquid folgt (barad > e-barad; blab > e-mlab). Warum bleibt das -n vor dr, gr erhalten, vor d, g nicht?
Hier kann wohl nur eine komplette Liste der belegten Formen helfen (wobei ich stark davon ausgehe, dass ich einige Namen vergessen habe, also bitte gerne ergänzen):

• en Tinúviel > e·Dinúviel - Lenition von stimmlosen Plosiven
• en dant > e·dant - Keine Veränderung von normalen stimmhaften Plosiven
• en (m)bar > e·mbar - Widerherstellung nasalierter stimmhafter Plosive (Lenition)
• e-'Rach - Wissen wir genau, ob wir es mit rhach zu tun haben, nicht vielleicht mit *grach? Ich besitze "Morgoth's Ring" leider noch immer nicht. In Anbetracht von e·dant scheint rhach aber nur wahrscheinlich.

Ich überlege also, ob ich die "Gemischte Mutation" nicht völlig aus der Grammatik verbanne und lediglich im Kapitel über den Genitiv auf das eigenartige Verhalten von en hinweise ("bewirkt teilweise Weiche Mutation, und zwar bei t, p, c, lh, rh sowie bei b, d, g, wenn sie unter die "Special Cases" fallen. Bei allen andere Konsonante wird keine Mutation durchgeführt").
Der Artikel-Suffix -n würde dann ebenfalls separat behandelt werden, da er ja scheinbar nichteinmal die selben Ergebnisse nach sich zieht wie en (der Nasal bleibt offenbar immer erhalten), weshalb es mir umso schwerer fällt, hier an eine beide Faktoren übergreifende "Mutation" zu glauben.
Das macht die Thematik letztlich nicht einfacher, da es eigentlich nichts an den Tatsachen ändert, aber es entschärft das Mutation-Kapitel, was Anfänger ja gerne als sehr erdrückend ansehen.

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Thorsten
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Beitrag von Thorsten » Do Mär 22 2007 13:44

Danke. Waehrend ich ueberlege stelle ich hier schon mal mehr Beispiele dazu:

* Haudh-en-Ndengin 'Hill of Slain' (SIL)
* Methed-en-Glad 'End of the Wood' (UT:153)

Beide scheinen, wenn man von der Variation en/e absieht, mit den obigen Beispielen konform zu gehen.

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Roman
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Beitrag von Roman » Do Mär 22 2007 14:53

Bertrand Bellet hat so etwas ähnliches schon 2002 vorgeschlagen, sehr zu empfehlen ist dieser Lambengolmor-Post.

In den keltischen Sprachen gibt es neben der Lenition nämlich noch eine Provektion, die deren Resultate umkehrt (ich vermute mal, damit nicht alles querbeet totleniert wird). Und was wir bei Tolkien tatsächlich sehen, ist, dass z.B. -ndh-, -ldh- niemals vorkommt, d.h. es hier zu keiner weiteren Lenition kommt (Malduin, Esgalduin, Baranduin, Glanduin etc.). Dasselbe hat man bei der gemischten Mutation - z.B. niemals en-dh.
Tolkien gebraucht den Begriff "Provektion" zwar nicht, aber so viele Abhandlungen zu Mutationen außer einigen impliziten Formen kennen wir ja (noch) nicht. In einem ganz ähnlichen Zusammenhang spricht er zumindest von "re-stopping" (-nth > -nt, -mph > -mp, -lth > -lt etc. am Wortende, VT42:27).
Wie Bertrand aber angibt, hat man die Begriffe "verhärtende Mutation" oder "gemischte Mutation" für verschiedene Phänomene dieser Art. (Details unter dem oberen Link.) Letzlich ist es ja auch egal, wie man es nennt, so lange man weiß, was es macht.

Äußerst interessant finde ich auch den Ansatz, damit ein Fernbleiben der Adjektiv-Mutation zu erklären. Wir wissen, dass Mutationen ursprünglich wohl rein phonetisch und nicht grammatisch waren, z.B. sagt Tolkien nicht hîr, with the definite article i-chír, sondern: χ became h, but the spirant remained medially as e.g. in i-chír (gekürzt aus VT41:9).
Wir wissen auch, dass in Noldorin Adjektive mit den beschriebenen Wörtern Compounds gebildet haben, z.B. Eredvyrn, Eredwethion, Eredlemrin etc. - hier könnte der Endkonsonant ja auch Provektion auslösen - *Londðaer > Lond Daer.
Aber damit kann man längst nicht alles erklären, so bleibt z.B. Eredvyrn vs. Ered Mithrin.

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Eirien
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Beitrag von Eirien » Fr Mär 23 2007 13:18

Interessante Theorie - und interessanter Link, vielen Dank dafür!
Bestechend finde ich dabei, dass Provektion ja nicht wahllos greift, sondern typischerweise bei "voiced obstruents" [b, d, g] auftritt (na ja gut: auch wo wortintern zu [v] leniert wurde), und genau die scheinen ja auch bei unserer "Gemischten Mutation" wenn auch nicht provehiert, so wenigstens nicht auch noch leniert zu werden.

>Letzlich ist es ja auch egal, wie man es nennt, so lange man weiß, was es macht.

Naja, Bretonisch und Kornisch haben beides, wobei die gemischte den einen Konsonenten leniert und den anderen provehieren kann, völlig egal würde ich das also nicht nennen.

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Roman
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Beitrag von Roman » Fr Mär 23 2007 14:15

Naja, Bretonisch und Kornisch haben beides, wobei die gemischte den einen Konsonenten leniert und den anderen provehieren kann, völlig egal würde ich das also nicht nennen.
"Verhärtend" und "gemischt" ist nicht dasselbe, ich bezog mich aber darauf:
Ich überlege also, ob ich die "Gemischte Mutation" nicht völlig aus der Grammatik verbanne und lediglich im Kapitel über den Genitiv auf das eigenartige Verhalten von en hinweise
Eine neue Tabelle mit einer "gemischter Mutation" (den Begriff gibt es ja) wäre relativ gleichwertig zu "en mit Lenition, aber ein paar besonderen (provektiven) Eigenschaften". Ich bin mir auch gar nicht sicher, was didaktisch sinnvoller ist..

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