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kurze Übersetzung gesucht: "Ónen i-estel..."
Posted: Mon Jun 16 2008 11:11
by gorrbaczov
Eine Freundin von mir, die sich ganz gern mit Rätselhaftigkeit umgibt (;)) hat einen Spruch, anscheinend in Sindarin, auf einem ihrer Online-Profile zu stehen.
Ich würd ganz gern wissen, was das Ganze bedeuten soll - sie will's mir natürlich nicht verraten. (Was ist eine Frau schon ohne Geheimnisse, ne?

)
Ich hab mich auch schon selbst versucht, aber ich muss zugeben, ich hab von dieser Sprache ehrlich keine Ahnung. Dementsprechend scheitere ich schon an den Grundlagen. ^^
Ich bin mir aber auch nicht hundertprozentig sicher, ob nicht Rechtschreibfehler oder dergleichen drin sind.
Hier jedenfalls der 'Spruch':
"onen i-estel guriel, ú-chebin estel anim"
Ich hab bisher nur Folgendes rausgefunden:
ónen = geben/schenken
estel = Glaube/Hoffnung/Vertrauen/Zuversicht
gúriel = könnte wohl "Ratgeberin" heißen ?!
ú-chebin = eine verneinte Form von Auffenthalt / warten ?
anim = nein, nicht / für mich
Bringt mich ohne grammatische Kenntnisse aber auch kein Stück weiter.

Vor allem weiß ich nicht, was dieses "i-estel", also im speziellen das "i" mir sagen soll. Könnte das einfach der Artikel sein?
Ich wäre jedenfalls über eine Übersetzung sehr dankbar!

Ich hoffe, meiner Ratlosigkeit kann abgeholfen werden...
Edit von Eirien: Titel ergänzt
Posted: Mon Jun 16 2008 12:09
by Eirien
Hallo gorrbaczov!
Du hast da schon ganz gute Vorarbeit geleistet, Hut ab!
Geheimnisvoll ist an dem Spruch aber höchstens der Name
Gúriel = 'Ratgeberin' (das könnte zB eine Monika sein, aber das solltest du leicht herausfinden können).
Der Rest ist "gut Tolkien" und findet sich in den Anhängen zum Herrn der Ringe. Im Original lautet er:
Onen i-Estel Edain, ú-chebin estel anim.
auf Deutsch: "Ich gab den Menschen Hoffnung, ich behielt (wörtl.: behalte) keine Hoffnung für mich."
Bei deiner Bekannten heißt es demnach: "Ich gab Gúriel Hoffnung... (usw.)"
>Könnte das einfach der Artikel sein?
Genau, das ist einfach der Artikel.
>Rechtschreibfehler oder dergleichen
sind nicht drin, es sei denn, das lange
ó in
ónen, das in einigen Ausgaben von LotR (zB in meiner) aber auch nur mit
o steht.
Posted: Mon Jun 16 2008 12:10
by Celefindel
Ja, das i ist der Artikel. Du hast da eh schon ganz schön viel rausgefunden
Das Original aus dem LotR glaub ich heißt "ónen i-estel edain, ú-hebin estel anim", zu deutsch "Ich hatte Hoffnung in die Menschen, ich behielt keine Hoffnung für mich selbst". Das
gúriel könnte jetzt von Herz (Geist), Ratschlag oder Tod kommen. Oder
vielleicht auch von
curu?
Posted: Mon Jun 16 2008 12:16
by gorrbaczov
Okay, vielen Dank. Dann ergibt das Ganze sogar einen Sinn.
Woher weiß man, dass der Satz in der ersten Person singular steht?
Und... ich kann mir immernoch keinen Reim auf dieses "Guriel" machen... ^^ Hab gerade gesehen, dass es aus dem Hebräischen kommen könnte, aber das passt irgendwie nicht zum Rest, ne?

Ratschlag, Geist, Tod,... curu wäre wohl Geschick. Ist irgendwie alles nichts, dem man Hoffnung geben könnte. Es sei denn es wäre personalisiert.
Ich gab den Herzen Hoffnung, z.B. ?
Hat denn der Suffix "-iel" eine spezielle Bedeutung?
Posted: Mon Jun 16 2008 12:38
by Eirien
>Woher weiß man, dass der Satz in der ersten Person singular steht?
Wir haben die Übersetzung von Tolkien.
Ansonsten erkennt man es an der Endung der Verben; das Kapitel ist hier in der Grammatik leider überholt, wenn du Genaueres wissen möchtest, schaust du am besten hier in Thorsten Renks Sindarin-Kurs
Pedin Edhellen, den du auf seiner Seite herunterladen kannst.
"Dieses Guriel" ist möglicherweise ein Eigennamen;
hier ist zB mal der Name 'Monika' mit
Gúriel übersetzt worden. Der Suffix "-iel" ist eine weibliche Endung, könnte in diesem Fall also gut "Beraterin" heißen, wie du schon richtig getippt hast. Welche Person aus den Umfeld deiner Bekannten jetzt genau damit gemeint sein könnte, musst du allerdings selbst herausfinden.
Posted: Mon Jun 16 2008 12:40
by gorrbaczov
Na dann hab ich ja noch ein wenig Denkarbeit vor mir...
Muss ich mal noch überlegen, wen sie damit meinen könnte.
Vielen lieben Dank euch Beiden, ihr habt mir echt geholfen.

Posted: Mon Jun 16 2008 16:00
by Ailinel
"onen i-estel guriel,..."
Da guriel nicht groß geschrieben wurde, was man bei einem Namen erwarten würde, besteht die Möglichkeit, dass die Schreiberin vielleicht gurel "your heart" gemeint haben könnte, wobei dies freilich falsch wäre, da das Wort (als Objekt) vermutlich leniert werden müsste - wie übrigens der eventuelle Name, falls es ein solcher sein sollte, auch..
Posted: Mon Jun 16 2008 16:50
by Avorninnas
Ailinel wrote:wie übrigens der eventuelle Name, falls es ein solcher sein sollte, auch..
Deswegen hatte Cala ja oben vorgeschlagen, es könne sich eine lenierte Form von
curu handeln. Wenn es bei einem anzunehmenden Namen eventuell um "Medea" ginge, ergäbe das sogar einen Sinn.
Aber auch dann bliebe die Frage der Kleinschreibung bestehen.
Ich würde trotzdem angesichts der ganzen Zusammenstellung davon ausgehen, dass der/die Verfasser/in beabsichtigt hat,
gûr mit
-iel(l) zu verbinden - sei es nun für einen Namen oder eine Bezeichnung - und aus irgendeinem Grund einfach die Lenition nicht durchgeführt wurde.
edit: Nachdem ich jetzt ein bisschen rumgesucht habe, habe ich unter anderem zum Stichwort "Herz" noch zwei mögliche Namen ausgegraben, die unter Umständen ebenfalls gemeint sein könnten:
"Dilshad" (iranisch) = Herz
und vorallem
"Cordula"...
Vielleicht passt ja eines der beiden. Das muss gorrbaczov rausfinden.
Posted: Tue Jun 17 2008 19:41
by gorrbaczov
Mir wurde dann schließlich der Tipp gegeben, dass es sich bei dem -iel um ein angehängtes Possesivpronomen handelt ( / handeln soll).
Dann dachte ich mir, dies könnte nur "euer" sein, alles andere ergäbe in dem Kontext keinen Sinn.
Ergo kam ich dann auch drauf. Es soll heißen:
"Ich gab euren Herzen Hoffnung, ich behielt keine Hoffnung für mich."
Posted: Tue Jun 17 2008 21:06
by Maewen
-iel ist aber kein Possessivpronomen. Wenn es eines sein sollte, so wäre *-el für "dein/euer" wahrscheinlicher (das ist zwar auch hypothetisch, d.h. Tolkien hat es so nirgendwo verwendet, aber zumindest begründbar).
Ich sehe gerade, dass Loth in der sindarin.de-Grammatik das hypothetische Beispiel *guirel für "eure Herzen", also Plural, gibt. Vielleicht hatte deine Freundin das im Sinn und hat dann aus Versehen nur die Buchstaben vertauscht?!
Posted: Wed Jun 18 2008 7:21
by Ailinel
gorrbaczov wrote:Mir wurde dann schließlich der Tipp gegeben, dass es sich bei dem -iel um ein angehängtes Possesivpronomen handelt ( / handeln soll).
Dann dachte ich mir, dies könnte nur "euer" sein, alles andere ergäbe in dem Kontext keinen Sinn.
Ergo kam ich dann auch drauf. Es soll heißen:
"Ich gab euren Herzen Hoffnung, ich behielt keine Hoffnung für mich."
Das ist genau das, was ich bereits vermutet (und vorgeschlagen) hatte ("your" = "dein"/"euer"):
Ailinel wrote:besteht die Möglichkeit, dass die Schreiberin vielleicht gurel "your heart" gemeint haben könnte, wobei dies freilich falsch wäre, da das Wort (als Objekt) vermutlich leniert werden müsste
Das Possessivsuffix
-el ist nicht hypothitisch, da es in PE17:46 attestiert ist: (
lammel). Allerdings hier für 2.P.Sg., wobei die korrespondierende Pluralform
lammel(ir) durch die Verwendung von Klammern anzudeuten scheint, dass eventuell auch die Form
lammel ohne zusätzliches Suffix für den Plural stehen könnte.
Posted: Wed Jun 18 2008 7:26
by Maewen
Ailinel wrote:Das Possessivsuffix -el ist nicht hypothitisch, da es in PE17:46 attestiert ist: (lammel). Allerdings hier für 2.P.Sg., wobei die korrespondierende Pluralform lammel(ir) durch die Verwendung von Klammern anzudeuten scheint, dass eventuell auch die Form lammel ohne zusätzliches Suffix für den Plural stehen könnte.
Ah okay.
Du meinst, mit
lammel(ir) ist der Plural des Pronomens gemeint, also "eure Sprache/Zunge". Gibt es Hinweise, ob der Plural auch für das Substantiv an sich gilt? Ich meine, ob man einen Unterschied macht, zwischen "eure Sprache" und "eure Sprache
n"?
Denn das ist ja die Frage bei
*guirel...
Posted: Wed Jun 18 2008 7:42
by Ailinel
Im Beispiel in PE17:46 sehen wir nur Formen mit dem Nomen im Singular: lammem(ir), lammenc (-engir); lammel(ir), lammegir; lamment.
Daher würde ich vorerst "unsere Sprachen" lieber mit normalem Possessivpronomen schreiben.