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A Nestareth!...

Verfasst: Fr Jun 08 2012 17:05
von pen-eneth
Suilad mellyn!

In einem Anflug von Größenwahn habe ich gedichtet (und die Dichter unter Euch mögen Nachsicht mit mir üben) und nach meinem Verständnis sieht auch alles sehr schön und logisch aus :D Im Ernst, ich hatte viele Schwierigkeiten und präsentiere Euch das Ergebnis, im demütigen Erwarten der Kritik-Schwerter über meinem Haupt.

Absicht:
Lóriens Blätter fallen Dir zu Füßen, oh Heilerin, um einen Weg zu bereiten zum Herzen dessen, der so lange nach Dir rief.
Komm, oh Heilerin, bring Frieden dem Sohn Lóriens.
Lóriens Blätter fallen Dir zu Füßen, oh Heilerin, um Dir eine Heimat zu geben in den Herzen der Kinder Loriens.

Ergebnis:
A Nestareth! An thail gîn dannar i laiss en Lórien, al radad n'i 'ûr canad-gîn îd annan.
Tolo! A Nestareth! Togo i hidh n'i 'ûr ion en Lórien.
A Nestareth! An thail gîn dannar i laiss en Lórien, echi annad i mbar n'in
'uir hîn en Lórien.

Hannon-dhe!
pen-eneth

Re: A Nestareth!...

Verfasst: Sa Jun 09 2012 11:52
von Ailinel
Hallo, pen-eneth,
keine Kritik-Schwerter hier (zumal ich mich selbst nicht zu den Dichtern zähle), sondern nur ein paar Anmerkungen:

**Nestareth funktioniert vermutlich nicht. Es gibt zwar eine weibliche Endung -eth, jedoch nicht **-reth. Das Verb *nesta- ist nur in der mutmaßlichen Gerund-Form nestad attestiert, ohne dass meines Wissens die zugrunde liegende CE-Wurzel explizit bekannt ist. Vergleichbare Wortbildungen, vgl. ithron, lathron, lassen immerhin darauf schließen, dass in diesem Fall das Nomen Agentis maskulin *nethron wäre, mit weiblicher Form *nethril, ungeachtet des gleichlautenden nathron 'Weber', dessen weibliches Gegenstück, mit I-Umlaut ebenfalls *nethril wäre.
Weiters: **an thail wäre eher a thail, sofern man hier nicht von vornherein eher die Präposition na wählen würde; **al radad wäre eher *adh radad. Sindarin gûr bedeutet möglicherweise nicht 'Herz' im Sinn dieses Textes.

Zu weiteren Punkten bzgl. der Grammatik demnächst, wenn ich mehr Zeit habe.

Verfasst: Sa Jun 09 2012 12:36
von pen-eneth
Suil Ailinel,

vielen Dank erstmal für Deine Anmerkungen und Deine Mühe.
Schade, irgendwie gefiel mir Nestareth^^.
Mit den Präpositionen steh ich auf Kriegsfuß, das hab ich schon bemerkt.
Da ich mit dem Begriff "Herz" auch nicht unbedingt das anatomische sondern eher das metaphysische meinte, hab ich nur die Wahl zwischen gûr und inn.
Ich werde wohl noch mal in mich gehen.
Trotzdem würde ich mich freuen, wenn Du die Zeit findest...ich hab doch noch arge Defizite.

pen-eneth

Verfasst: Sa Jun 09 2012 15:10
von Ailinel
Dass nicht das anatomische Herz gemeint ist, hatte ich vorausgesetzt. (Genaueres zur Frage, was gûr bedeutet, steht in VT41. Möglicherweise passt es hier ja.)

Weiters: Die Wendung "dessen, der so lange nach dir rief" würde ich nicht mit dem Gerundium wiedergeben, sondern eher mit dem Partizip Perfekt Aktiv (engl: "having called to you"); und als sinngemäß passendes Verb würde ich persönlich eher nalla- wählen.
Außerdem sollten die bestimmten Artikel z.T. wegfallen, auf jeden Fall bei "Frieden" und "eine Heimat".

Verfasst: Sa Jun 09 2012 17:18
von pen-eneth
Frage: Wenn Nestareth nicht nur als "Berufsbezeichnung" sondern gleichzeitig als Name fungiert...(Du merkst schon, so leicht kann ich das nicht loslassen^^)...wäre es dann, wenn auch unattestierte, Möglichkeit? Oder in der gleichen Art Nestariel?

Mit Hilfe Deiner Anmerkungen hab ich nun folgendes:

A nethril!
Na thail gîn dannar i laiss Lórien,
adh radad n'i 'ûr nólliel-gîn îd annan.
Tolo! A nethril!
Togo sîdh n'i ûr ion Lórien.
A nethril!
Na thail gîn dannar i laiss Lórien,
echi annad bâr n'in 'uir hîn Lorien.

Verfasst: Sa Jun 09 2012 19:49
von Ailinel
Frage: Wenn Nestareth nicht nur als "Berufsbezeichnung" sondern gleichzeitig als Name fungiert...(Du merkst schon, so leicht kann ich das nicht loslassen^^)...wäre es dann, wenn auch unattestierte, Möglichkeit? Oder in der gleichen Art Nestariel?
Die wesentliche Frage, in diesem Zusammenhang, bleibt doch immer, ob das freihändig konstruierte (?) / neu zusammengesetzte (?) Wort - egal, ob jemand persönlich es nun als wohlklingend empfinden mag - mit dem derzeitigen Wissen über die Sprache kompatibel ist. Das heißt also: Wenn du zur Diskussion stellen möchtest, ob *nestareth und *nestariel als (freie?) Übersetzungen für "Heilerin" verstanden werden können, so wäre es deine Aufgabe, diese von dir vorgeschlagenen Wortbildungen mit irgendwelchen Argumenten plausibel zu machen bzw. sie zumindest so gut wie möglich zu begründen. Anschließend könnte man darüber diskutieren.

Ich halte es nicht für meine Aufgabe, geschmacksbedingte Wortschöpfungen und unerklärte (unerklärliche?) Spekulationen zu kommentieren oder gar zu versuchen, derartiges mit großem Aufwand an Zitaten eventuell zu widerlegen.

Zu einigen Mutationen: Die Präposition na löst weiche Mutation aus; sîdh und bâr müssten jedenfalls (als direkte Objekte) leniert werden.
Zu den Übersetzungen der Konstruktionen mit "um zu" ("um einen Weg zu bereiten", "um dir eine Heimat zu geben") - diese sind inkonsistent (einmal mit, einmal ohne an).

Verfasst: Sa Jun 09 2012 20:18
von pen-eneth
Es war nicht meine Absicht, meine „geschmacksbedingte Wortschöpfung“ zur Diskussion zu stellen. Es war eine simple Frage von jemandem, der sich seit wenigen Tagen intensiver mit Sindarin beschäftigt. Verzeih meine Häresie in diesen heiligen Hallen.
Nichtsdestotrotz, meinen Dank für Deine Hilfe

Verfasst: Sa Jun 09 2012 22:03
von Ailinel
Hier sind keine "heiligen Hallen"! Fragen zum Thema Sindarin beantworte ich, sofern ich etwas zu sagen habe, nach meinem persönlichen besten Wissen (nachdem ich mich seit mehr als zehn Jahren damit beschäftigt habe). Falls ich Fehler mache, so gibt es hier im Forum einige Experten, die meine Postings jederzeit verbessern werden.
Mir ging es um einen grundsätzlichen Aspekt, der m.E. in jeder zivilisierten Unterhaltung über ein Sachthema Gültigkeit hat (nicht nur in fachspezifischen, "wissenschaftlichen" Diskussionen): Etwas zu fragen ist natürlich keine "Häresie". Antworten und Hinweise (siehe die Hinweise bzgl. ista-/ithron etc.) aufzunehmen, oder auch nicht, ist deine Sache. Unverdrossen "naiv" weiterzufragen, so als ob eigentlich niemand geantwortet hätte, mag vielleicht praktisch erscheinen, ich alledings werde darauf nicht mit zusätzlichen Erklärungen reagieren.

Verfasst: So Jun 10 2012 20:23
von Roman
@pen-eneth:
Erklär' uns doch mal, wie du *Nestareth/*Nestariel gebildet hast - du musst dich ja an irgendwas orientiert haben. Dann können wir auch sagen, ob es plausibel ist oder nicht. Spiele wie "Ich habe ein Wort gebildet, findet mal heraus, wie es Sinn ergeben kann" mögen wir nicht so gerne. Übrigens ist hier ist z.B. ein Artikel zu Personenendungen im Elbischen. Der umfasst nicht alles, aber vieles.
n'i
Als Dativ-Plural-Präposition haben wir einmal 'ni attestiert, wissen aber nicht, wie regelmäßig oder umgangssprachlich sie ist (es gibt übrigens keine Leerstelle zum vorherigen Wort aglar).
Ich würde sicherheitshalber an + Artikel in verwenden. Analog *na i thail gîn oder *nan dail gîn - Possessivpronomen scheinen in Sindarin zusammen mit dem Artikel verwendet zu werden, sofern der Besitz unbelebt ist.