Zeitveränderung Gilraens Linnod

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Argate
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Zeitveränderung Gilraens Linnod

Beitrag von Argate » Di Jan 17 2012 21:11

Also meine Frage dreht sich um folgenden Satz:

Ónen iEstel Edain, úchebin estel anim

Übrsetzt müsste das sein:
Ich gab den Menschen Hoffnung, ich behielt keine Hoffnung für mich

Die beiden Verben müssten sein:

Ónen (Ich gab)
úchebin (Ich behielt)


Ich will den Satz nun im Präsens haben (geben / behalten)

Die Infinitive sind:

anna- (geben)
heb- (behalten)

Wie lauten die beiden Verben in der 1. Person Singular Präsens? Müssen noch andere Satzteile geändert werden, damit der Satz richtig ist? Was bedeutet das i vor dem Estel?

Ich habe gelesen, dass die Endung für die 1. Pers. Singular Präsens "-n" ist.
Wäre es dann:

annain (Ich gebe) Wegen der finalen Silbe für a = ai
hebin (Ich behalte) Wegen der finalen Silbe für e = i

Also im Endeffekt:

Annain iEstel Edain, hebin estel anim

Ist das im Ansatz schonmal nicht schlecht?

Danke für die Hilfe.
~Argate

Edit Avor: Threadtitel angepasst

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smuecke
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Beitrag von smuecke » Di Jan 17 2012 22:24

Hallo Argate,

die 1. Person Singular Präsens von anna- lautet annon (das a am Ende wird einfach durch on ersetzt). Hebin stimmt.

Das i vor estel ist der bestimmte Artikel (im Deutschen der, die, das), iEstel heißt also die Hoffnung statt nur Hoffnung.

Gruß,
Sascha

Argate
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Beitrag von Argate » Di Jan 17 2012 22:40

Danke für die schnelle Antwort.

Also wäre es:

Annon iEstel Edain, hebin estel anim

Könnte ich das i dann auch einfach weglassen um den Artikel zu vermeiden?
In der Übersetzung kommt er auch nicht vor.

edit:

Was ist mit der Verneinung "keine" Hoffnung?
hebin = Ich behalte
estel = Hoffnung
Wo kommt da die Verneinung vor?

Nächster edit: Erstmal selber suchen

Unter "keine" habe ich nichts gefunden, also habe ich unter "nicht" gesucht.

nicht = ú-
Die Lenition von H ist ch
Das wäre dann: úchebin
Das ist das Verb, dass anfangs in der Vergangenheit übersetzt wurde.
ich bin verwirrt.

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Avorninnas
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Beitrag von Avorninnas » Di Jan 17 2012 22:57

Der Artikel dürfte deswegen an der Stelle des Originalzitates stehen, weil es sich um ein Wortspiel handelt.

Gilraen spricht davon, dass sie den Menschen ihren Sohn (Aragorn) gab, dessen Jugendname Estel lautete. Sie gab den Menschen also "den Estel", behielt aber keine Hoffnung (was der Name des Kindes ja bedeutet) für sich. Deswegen wird als Name das erste Estel auch großgeschrieben, das zweite aber klein. Und der Artikel steht vor dem ersten Estel, weil es sich eben um den Namen handelt.

Die Verneinung steckt im Verb. Die Vorsilbe ú- verneint den Sinn des Verbs.
smuecke meinte mit hebin, dass die Personenform 'ìch behalte' im Präsens stimmte, aber trotzdem musst du im Satz natürlich das Verb wieder verneinen, es sei denn, du möchtest den Sinn umdrehen.

Annon estel edain, úchebin estel anim wäre 'Ich gebe Menschen Hoffnung, behalte keine Hoffnung für mich selbst.'

Edit: da haben unsere Posts sich überschnitten und du hast die Sache mit der Verneinung inzwischen selbst gefunden. Prima.
Auch im Original ist das zweite Verb keine Vergangenheit, sondern Präsens. Denn der Zustand Gilraens dauert ja noch an, als sie den Satz sagt. Wörtlich dagt sie: "Ich behalte keine Hoffnung für mich."

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smuecke
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Beitrag von smuecke » Di Jan 17 2012 23:04

Ja, genau wie Avorninnas sagt: úchebin ist die korrekte verneinte Form von heb- im Präsens.

Die Vergangenheitsform von heb- ist das im Ursprungssatz übrigens nicht. Soweit ich das sehe müsste die 1. Person Singular von heb- in der Vergangenheitsform echemmin, verneint ú-echemmin, sein.

Gruß,
Sascha

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Avorninnas
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Beitrag von Avorninnas » Di Jan 17 2012 23:14

Wegen der Vorsilbe wahrscheinlich kein Augment, würde ich sagen.

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balvadhor
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Beitrag von balvadhor » Di Jan 17 2012 23:32

Ich habe mir die Stelle mal angesehen. Tolkien übersetzt dieses Linnod mit:

"I gave Hope to the Dúnedain, I have kept no hope for myself."

Er meint hier also nicht die Vergangenheitsform sondern das "Present Perfect".

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Roman
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Beitrag von Roman » Mi Jan 18 2012 1:36

Die freie englische Übersetzung ist vielleicht im Perfekt, aber das Sindarin-Verb ist im Präsens. Eine interlineare Übersetzung gibt's in PE17:117: ú-chebin 'not keep I'.

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smuecke
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Beitrag von smuecke » Mi Jan 18 2012 15:29

Avorninnas hat geschrieben:Wegen der Vorsilbe wahrscheinlich kein Augment, würde ich sagen.
úchemmin ?

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Avorninnas
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Beitrag von Avorninnas » Mi Jan 18 2012 15:47

Sieht wohl so aus. Und da der Bindevokal in der Vergangenheitsform auch bei den Stammverben vielleicht ein -e- anstelle eines -i-´s ist, ergibt sich möglicherweise eher
*úchemmen.

Argate
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Beitrag von Argate » Mi Jan 18 2012 17:54

also war es einfach eine Sache der Übersetzung.
Danke für die Hilfe.
Langsam fange ich an die Grammatik etwas zu verstehen.

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