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FAQ für Übersetzungen von Namen

BeitragVerfasst: Fr Apr 03 2009 13:45
von Eryniel Elmíris
Generelles:
Einen Namen zu übersetzen, bedeutet für uns hier, seine ursprüngliche Bedeutung herauszufinden und diese dann so gut es geht in einen elbischen Namen gleicher Bedeutung umzuwandeln, der in Tolkiens Universum existiert haben könnte. Oft ist es aber gar nicht nötig – z.B. für Eheringe, Tattoos, Beerdigungskränze (hatten wir auch schon mal!) – und vielleicht sogar unangemessen, da die Bedeutung eines Namens nichts mit der Person zu tun haben muss. Namen werden ja auch nicht z.B. in Finnisch übersetzt, sondern nur anders ausgesprochen oder geschrieben - obwohl es natürlich auch hierfür Ausnahmen gibt. In solchen Fällen wäre es wahrscheinlich besser, die Namen einfach mit einen entsprechenden orthographischen Tengwar-Modus zu übertragen – was keine Übersetzung ist!
Namensübersetzungen sind unseres Erachtens sinnvoll, wenn man einen Nicknamen für Foren oder Rollenspiele etc. braucht.
Die Bedeutung eines Namens hat in der Regel nichts mit den tatsächlichen Charaktereigenschaften eines Menschen zu tun. Als Beispiel: Katharina, was - mit einiger Spekulation - aus dem Griechischen kommt und "die Reine" bedeutet; wurde dem Kind wahrscheinlich nicht als Name gegeben, weil die Eltern annahmen oder hofften, es würde später mal ein Kloster besuchen oder auf ewig die Unschuld vom Lande sein, sondern schlicht und ergreifend, weil ihnen dieser Name gefiel. Würde dann später der Freund einen Verlobungsring schenken, auf dem "Für Die Reine, die Liebe meines Lebens" steht, würde sich die Betreffende wohl aber nicht angesprochen fühlen.

Übersetzung - Ein Wort der Warnung vorab:
Die meisten guten Quellen zur Phonologie und Entwicklung von Sindarin sind auf Englisch. So z. B die Artikel auf Thorstens Seite, auf ELF, Sindanórië oder bei Helge Fauskanger. Ebenso wie die meisten Bücher der HoME, in denen ein Großteil der attestierten Namen verzeichnet ist.

Zumindest die Schritte 1 und 2 sollte aber jeder Fragesteller aber bereits als Eigeninitiative investiert haben, der sich um Hilfe bei der Übersetzung eines Namens in eine der Elbensprachen bemüht.

1. Finde die Bedeutung des Namens
www.behindthename.com</a>
www.kunigunde.ch
Hinweis: Oft ist ein gesuchter Name eine Kose- oder Kurzform oder die Form eines Namens in einer anderen Sprache.

2. Vokabeln

2.1. Suche passende (Sindarin-) Vokabeln
www.sindarin.de
www.jrrvf.com/hisweloke/sindar/online/sindarin.html

2.2. Suche passende (Quenya-) Vokabeln
http://folk.uib.no/hnohf/wordlists.htm

2.3. Gibt es keine wortgetreuen Vokabeln...
... sind Alternative oder Umschreibung möglich?

3. Bildung

3.1. Grundlegendes
Tolkiens Sprachen haben einen Aufbau und eine Geschichte. Die Wörter werden nach dem Vorbild indogermanischer Sprachen aus Wortwurzeln oder -stämmen gebildet und verändern sich durch die Jahrhunderte hindurch. Dafür gibt es bei den realexistenten Sprachen Regeln und auch Tolkien hat solche für seine Sprachen entwickelt.
Seine Wörter folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten, was die Zusammenstellung der Laute angeht. Wie in realen Sprachen, die ihm als Vorbilder dienten, hat er auch für Quenya oder Sindarin festgelegt, welche Lautkombinationen z.B. möglich oder unmöglich sind oder wie sich bestimmte Laute verändern, wenn sie aufeinander treffen - etwa. an Wortgrenzen, wenn die Wörter zusammengefügt werden sollen.

3.1.1 Keine Artikel im Namen

3.1.2 Mutation/Lention beachten
www.sindarin.de/grammatik.html#mutationen

3.1.3. An attestierten Namen orientieren
Hierzu macht es Sinn, Tolkiens Werke ein wenig zu kennen. Wer davon nicht viel im Schrank stehen hat, kann sich erstmal mit zum Beispiel The Encyclopedia of Arda oder Ardapedia behelfen, wo einige Namensbedeutungen der attestierten Namen aufgeführt sind.

3.2. Adjektive
Wenn die Bedeutung nur ein Wort ist reicht es oft schon nur das gefundene Adjektiv an sich als Namen zu verwenden, z.B. das attestierte Beren
Ansonsten kann bei Adjektiven auch der Wortstamm für die Namensbildung herangezogen werden.
Adjektive als Namen scheinen eine männlich/weiblich-Unterscheidung zu haben, weil sie thematisch vergeben werden.
Männliche Tugenden sind offenbar Mut, Stärke, Standfestigkeit etc. und es gibt generell eine Assoziation mit Kriegsführung, daher Beren, Beleg, Tarlang.
Weibliche sind wohl eher: schön, hell, weiß, etc. Ein attestieres Beispiel wäre Anairë 'heiligste' in Quenya oder Faniel 'weiße'.

3.3. Nomen
Auch diese können pur als Name verwendet werden, z.B. die attestierten Malvegil, Arvegil.
Auch Substantive als Namen scheinen nach der Thematik eine männlich/weiblich-Unterscheidung zu haben. Siehe eher "männliche" Substantive wie Magor 'Sword', Hathal 'Axe' sowie einige -megils und -makils.
Weiblich dagegen sind Schönheit, Liebe etc., hier gibt es weniger Beispiele: zumindest Finvain und Lalaith, vielleicht zählt auch Melian 'dear gift' dazu.

3.4. Zusammensetzungen
Viele von Tolkiens attestierten Namen sind Zusammensetzungen und folgen dabei den Regeln der Mutation wenn sie aus belegten Vokabeln bestehen.
Viele Namen, welche wir aber bilden wollen, klingen dann nicht sehr Elbisch bzw. Sindarin. Daher bilden wir sie auch oft aus den Wortstämmen der Vokabeln.
Eine grundlegende Übersicht findet man in den „Etymologies“ in der „History of Middle Earth 5 – The Lost Road“. Und man sollte sich ein wenig mit der internen Geschichte bzw. der Entwicklung der Sprache auskennen (siehe www.uib.no/People/hnohf).
Und Doppeldeutigkeiten kommen dann auch ab und an vor. Aber auch bei unseren echten Namen ist die Herkunft manchmal nicht so klar und es gibt mehrere Bedeutungsmöglichkeiten.

Tolkiens Wörter folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten, was die Zusammenstellung der Laute angeht. Wie in realen Sprachen, die ihm als Vorbilder dienten, hat er auch für Quenya oder Sindarin festgelegt, welche Lautkombinationen z.B. möglich oder unmöglich sind oder wie sich bestimmte Laute verändern, wenn sie aufeinander treffen - etwa. an Wortgrenzen, wenn die Wörter zusammengefügt werden sollen. Dazu muss man aber die Sprache selbst halbwegs beherrschen und außerdem die phonetischen Gesetze dazu studieren.

Wer sich damit näher beschäftgen will, sollte auf Ardalambion die Artikel von Helge Fauskanger zur Sprachentwicklung anschauen:
- Primitve Elvish.
- Oldsindarin
Und vor allem die ersten Punkte zur Entwicklung und Phonologie für Sindarin.
Das gilt selbstverständlich nicht nur für Namen, sondern für alle Wortzusammensetzungen.

3.5. Suffix + Patronymika
Es besteht die Möglichkeit an Adjektive, Nomen und Zusammensetzungen eine Personenendung anzuhängen um deutlicher zumachen, dass es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Dabei ist stets zu bedenken, dass die allermeisten Namen bei Tolkien selbst nicht mehr als 3-4 Silben haben. Von allzu langen Zusammensetzungen wird deshalb dringend abgeraten. Auch sind viele von Tolkiens Namen geschlechtsneutral, weshalb eine Personenendung nicht zwingend notwendig ist.

Suffix:
m.:-on, -ron, -(n)dir
f.: -eth, -reth, -il, -ril, -(n)dis, -wen

Patronymika:
m.: -ion
f.: -iel

In diesem Zusammenhang ist auch das folgende Thema hier im Forum unbedingt lesenswert: Gedanken zu systematischen Namensübersetzungen